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Finanzierung von Kaufpreisen zur Übernahme von Anwaltskanzleien

Autor: Dustin Taprogge
Erschienen: 01.07.2015
Medium: Hamburger Anwaltsblatt

Der Kanzleiwert ist ermittelt, ein geeigneter Käufer gefunden und über den Kaufpreis besteht Einigkeit. Was tun, wenn der Kaufpreis nicht aus eigener Liquidität erbracht werden kann? Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Was sind positive Kriterien für einen Finanzierungsantrag? Der folgende Artikel gibt Antworten und leistet Hilfestellung.

Juristen, die den Kauf einer Kanzlei einer Neugründung vorziehen oder Anwälte, die ihre Kanzlei durch einen Zukauf erweitern, stehen grundsätzlich vor ähnlichen strategischen Überlegungen wie Anwälte, die sich eine neue Existenz aufbauen. Bei vielen Vorteilen, die eine Übernahme oder ein Einstieg in eine bestehende Kanzlei bieten, liegt die größte Herausforderung oft in der Erbringung des Kaufpreises. Dafür ist meist die Finanzierung durch eine Bank notwendig.

Der Businessplan muss überzeugen

Eine wichtige Grundlage für die Bank zur Kreditentscheidung ist der Businessplan. Aus ihm sollten folgende Informationen hervorgehen:

  • Angaben zu der zu erwerbenden Kanzlei
  • Informationen über den Kaufinteressenten
  • Geschäftskonzept für die Zeit nach der Übernahme
  • betriebswirtschaftliche Unterlagen (betriebswirtschaftliche Auswertungen/BWA, Mandantenlisten, Jahresabschlüsse etc. der letzten 3 Jahre)
  • Finanzteil
     

Während die ersten 4 Punkte meist ausreichend bekannt bzw. durchdacht sind und nur noch zu Papier gebracht werden müssen, erweist sich der Finanzteil oft am planungsintensivsten. Ein vollständiger Finanzteil besteht aus Investitionsplan, Umsatz- und Ergebnisprognose, Liquiditätsplan sowie dem Finanzierungsplan.

Der Investitionsplan umfasst sämtliche Investitionen, die bei der Übernahme der Praxis anfallen. Dazu gehören z. B. der Kaufpreis und die Kosten für Umbaumaßnahmen, aber auch Neuanschaffungen von Betriebs- und Geschäftsausstattung.

Die Umsatz- und Ergebnisprognose wird in der Regel für 3 Jahre erstellt. Sie umfasst die erwartete Entwicklung von Einnahmen und Kosten der Kanzlei. Aus diesen Angaben wird der prognostizierte Gewinn – das betriebliche Ergebnis – ermittelt. Darüber hinaus sind jedoch auch Angaben der erwarteten privaten Kosten wichtig. Nur so zeigt sich, ob der Erwerber aus den Einnahmen der Kanzlei seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Eine bedeutende Rolle im Businessplan stellt die Liquiditätsplanung dar. Hierbei gilt es sicherzustellen, dass zu jeder Zeit alle fälligen Zahlungen (z. B. Gehälter, Kanzleimiete, private Kosten) geleistet werden können. Das lässt sich durch die wirtschaftlichen Kennzahlen – sowohl der bisherigen Kanzlei als auch der zu erwerbenden Kanzlei – belegen. Insbesondere die Einnahmen und Überschussrechnungen bzw. der BWA sind hierbei von Interesse für die Bank. Ein plausibles Konzept für die neue Praxis unterstützt eine positive Kreditentscheidung spürbar.

Im Finanzierungsplan wird die Art der Finanzierung für die geplanten Investitionen festgelegt. Das können Eigenkapital, Darlehen aus der Familie oder aber auch Bank- und Förderdarlehen sein. Dabei ist zu beachten, dass Förderbanken Kredite in den meisten Fällen nicht direkt vergeben, sondern sie Geschäftsbanken zur Weiterleitung an Kunden zur Verfügung stellen. Die Höhe des von der finanzierenden Bank geforderten Eigenkapitals ist unter anderem abhängig von den zur Verfügung gestellten Sicherheiten. Üblich sind zum Beispiel die stille Abtretung von Forderungen gegen Mandanten, Lebensversicherungen oder auch Bürgschaften einer Bürgschaftsbank. In jedem Fall ist es ratsam, die Finanzierungspartner frühzeitig in die Gesamtplanung mit einzubeziehen und sich auch zu den sehr vielfältigen Fördermöglichkeiten beraten zu lassen.

Weitere Entscheidungsfaktoren für die Bank

Neben einem überzeugenden Businessplan sind die Höhe des Kaufpreises, die gewünschte Kreditlaufzeit, der Standort, das Leistungsspektrum der Kanzlei sowie die Persönlichkeit des Erwerbers entscheidende Faktoren bei der Kreditentscheidung. Wichtig ist, dass die Übernahme einer bestehenden Kanzlei allen Beteiligten einen Mehrwert aufzeigt. Dieser sollte im Businessplan klar erkennbar sein.

Finanzierungspartner mit Branchenexpertise

Wenn es für einen Anwalt erstmals um eine Kanzleifinanzierung geht, ist es wichtig, in Erfahrung zu bringen, ob die Hausbank, die bisher nur den Zahlungsverkehr abwickelt und Geldanlagen verwaltet, auch auf die Finanzierung von Anwaltskanzleien oder Mandantenstämmen spezialisiert ist. Optimale Voraussetzungen bieten Institute, die neben einer Branchenexpertise auch über regionale Marktkenntnisse verfügen.

DKB – Die Hausbank der Freiberufler

Ob Rechtsanwalt, Notar oder Insolvenzverwalter, Einzelkanzlei, Sozietät oder Partnerschaftsgesellschaft – die DKB bietet für diese Berufsgruppen in allen Geschäftsformen bereits seit 1999 Konten, Anlageprodukte sowie maßgeschneiderte Finanzierungslösungen. Für ihren täglichen Zahlungsverkehr können rechtsberatende Unternehmen und Freiberufler beispielsweise das kostenfreie DKB-Business nutzen, das auch die Möglichkeit der Überbrückung von kurzfristigen Liquiditätsengpässen bietet.

von Dustin Taprogge, Deutsche Kreditbank AG