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Was bringt das neue EEG?

Autor: Gerald Hein
Erschienen: agrarzeitung
Datum: 26.10.2016


Bei vielen Landwirtschaftsbetrieben hat sich die Sparte „Erneuerbare Energie“ als feste Umsatzgröße etabliert. Gerade in Zeiten schwacher Erzeugerpreise können Stromerlöse, z. B. aus Biogas den cash-flow des Unternehmens stabilisieren und defizitäre Betriebszweige ausgleichen. Die Politik hat den Ausbau der erneuerbaren Energien in den letzten 16 Jahren, beginnend mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2000, stark vorangetrieben. Allein zwischen 2010 und 2015 ist die Zahl der Biogasanlagen um fast 50% auf rd. 8.900 Anlagen gestiegen. Spätestens der Anstieg der vom (nicht privilegierten) Endverbraucher zu zahlenden EEG-Umlage hat die gesellschaftliche Akzeptanz der erneuerbaren Energien sinken lassen und die Politik zur Kurskorrektur auf den Plan gerufen.

Mit dem EEG 2014 wurde dem Ausbau der Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Biomasse durch Definition von Mengenzielen ein Deckel aufgesetzt. Das im Juli 2016 beschlossene EEG 2017 wiederum trennt sich von staatlich festgesetzten Einspeisevergütungen. Diese sollen künftig auch bei Wind und Biomasse durch Ausschreibungen unter den Marktteilnehmern ermittelt werden. Hierin sind ausdrücklich Bestands-Biogasanlagen einbezogen, für die nunmehr eine Anschlussregelung nach Auslauf der regulären EEG-Vergütung besteht.

Was ändert sich für Biogasanlagen?

Neue Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 150 kW müssen am Ausschreibungsverfahren teilnehmen. Dabei beträgt der Gebotshöchstpreis 14,88 ct/kWh. Im Falle des Zuschlags erhält der Betreiber genau den Preis, den er geboten hat („pay as bid-Verfahren“). Es besteht die Pflicht zur „doppelten Überbauung“. Wer also den Betrieb eines 250 kW-Blockheizkraftwerkes (BHKW) plant, ist zur Installation eines 500 kW BHKW verpflichtet. Mit der Zusatzkapazität sollen Biogasanlagen flexibel auf einen schwankenden Strombedarf reagieren können. Voraussetzung für die Teilnahme an der Ausschreibung ist die Vorlage der behördlichen Genehmigung und die verpflichtende Stromdirektvermarktung. Mit Erhalt des Zuschlages ist man verpflichtet, die Anlage innerhalb von 24 Monaten in Betrieb zu nehmen. Anderenfalls werden Strafzahlungen (Pönale) bis max. 60 EUR/kW fällig. Diese potentiellen Zahlungen sind durch den Biogasinvestor abzusichern, z. B. mittels Bankbürgschaft.

Auch Bestandsanlagen können im Rahmen von Ausschreibungen maximal 10 Jahre über die ursprüngliche EEG-Laufzeit hinaus gefördert werden. Der Gebotshöchstpreis beträgt hier 16,9 ct/kWh. Teilnehmen können Anlagen, deren restliche Vergütungslaufzeit noch mindestens 8 Jahre beträgt. Auch hier besteht künftig eine Pflicht zur „doppelten Überbauung“.

Bei kleinen Biogasanlagen auf Güllebasis, der sogenannten „75 kW-Klasse“ bleibt im Wesentlichen alles beim Alten. Der Vergütungssatz beträgt aktuell rd. 23 ct/kWh und unterliegt –wie auch in den anderen Klassen- einer Degression.

Lohnt sich der Neubau von Biogasanlagen?

Ob Biogasinvestments unter dem neuen EEG noch wirtschaftlich sind, hängt vom Einzelfall ab, insbesondere vom Substratmix und den Standortverhältnissen. Grundsätzlich gilt, wer hauptsächlich auf den Einsatz kostenpflichtiger nachwachsender Rohstoffe setzt, wird Schwierigkeiten haben, mit den Vergütungssätzen eine Kostendeckung zu erzielen. In diesen Fällen können sich die Gesamtkosten schnell auf 20 ct/kWh summieren.

Für Anlagen, die beispielsweise unmittelbar an der eigenen Milchviehanlage errichtet werden, sieht die Kalkulation wesentlich freundlicher aus. Ein ausreichender Viehbestand vorausgesetzt, entfallen in dieser Konstellation die Substratkosten. Zudem kann auf die bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden, was die Investitions- und damit die Kapitalkosten spürbar senkt. Auf dieser Basis ist der Bau einer Biogasanlage auch unter den neuen Bedingungen überlegenswert.

Fazit

Das neue EEG wird sicher keinen neuen Biogasboom auslösen. Allerdings ist das Segment auch nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Mit einem kostenseitig optimalen Substratkonzept und günstigen Investitionskosten sind Biogas-Finanzierungen auch unter den Bedingungen des EEG 2017 möglich.

Gerald Hein
Deutsche Kreditbank AG
Fachbereichsleiter Landwirtschaft und Ernährung

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