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Blick auf die Liquidität ratsam

Autorin: Friederike von Weichs
Erschienen: agrarzeitung
Datum: 5. Mai 2017

Zahlungsfähigkeit des Betriebs sollte permanent gewährleistet sein

Bis zum Jahr 2015 haben stabile Erzeugerpreise die Investitionsbereitschaft der Landwirte positiv beeinflusst. Viele gingen davon aus, dass die günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch künftig Bestand haben würden und wagten nicht selten große Wachstumsschritte. Die Fremdkapitalbeschaffung war vergleichsweise einfach. Die dann einsetzende Milchpreiskrise zeigte jedoch, dass gerade Betriebe mit überwiegend fremdfinanzierten Vorhaben Schwierigkeiten hatten, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Sie verschuldeten sich zunehmend. Jetzt gilt es, den Blick auf die Liquidität zu lenken.

Abläufe im Betrieb hinterfragen

Milchbauern und Schweineproduzenten sind von den schwachen Erzeugerpreisen der letzten beiden Jahre besonders betroffen. Wie schnell gebildete Liquiditätsreserven aufgebraucht sind, zeigt eine Beispielrechnung aus der Milchwirtschaft: Ein Betrieb mit einer jährlichen Produktionsmenge von 5 Mio. kg Milch hat aufgrund der Preisentwicklungen am Markt in den letzten 2 Geschäftsjahren ein Liquiditätsdefizit von etwa 500.000 Euro „erwirtschaftet“.

Zur Deckung des entstandenen Defizits konnten einige Unternehmen auf Liquiditätsreserven wie Bankguthaben zurückgreifen. Viele waren jedoch gezwungen, Kredite aufzunehmen. Beides wirkt sich negativ auf die bilanziellen Liquiditätskennzahlen und damit auch auf die individuelle Ratingnote und die Bonität der Betriebe aus.

Aktuell haben sich die Preise stabilisiert. Das verschafft den Landwirten - zumindest vorübergehend - etwas Ruhe und Gelegenheit, um die strategische Aufstellung ihres Betriebs zu hinterfragen und vernachlässigte Optimierungen im Unternehmen anzugehen. Entscheidend ist, sich möglichst schnell wieder zu entschulden. Voraussetzung hierfür sind steigende Cashflows. Die aktuellen Marktpreisentwicklungen bei Milch und Schweinen stützen diesen Weg. Darüber hinaus ist jeder Betrieb gefordert, sich auch mit seinen Kosten auseinanderzusetzen. Die Preiskrise erzeugte enormen Handlungsdruck, Defizite in Kostenstruktur und Betriebsabläufen zu identifizieren und abzustellen. Die Einbindung externer Berater erwies sich oftmals als sinnvoll, um das Unternehmen insgesamt zukunftsfähig aufzustellen. Als wirksame Maßnahme erwies sich beispielsweise oft die Trennung von unrentablen Betriebszweigen. Jetzt müssen die in der Krise begonnen Optimierungsmaßnahmen konsequent weitergeführt werden.

Die zwischenzeitlich verbesserte Stimmung in der Landwirtschaft zeigt auch das aktuelle Agrarkonjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbandes. Danach nimmt die Investitionsbereitschaft wieder zu. Etwa 33 Prozent der Landwirte wollen im kommenden halben Jahr investieren. Nachholbedarf besteht hiernach insbesondere bei Maschinen und Geräten sowie bei Wirtschaftsgebäuden. Trotz dieser positiven Tendenz liegt das Investitionsvolumen nach wie vor auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Denn obwohl sich eine generell verbesserte wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft abzeichnet, sind die Zukunftserwartungen weiterhin gedämpft - insbesondere bei Veredlungs- und Futterbaubetrieben.

Planung am Marktpreistrend ausrichten

Die aktuelle Erholungsphase darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch künftig Preisausschläge nach unten möglich sind. Um dem zu begegnen, werden Themen wie Risikomanagement, Risikofrüherkennung und Controlling weiter an Bedeutung gewinnen. Dabei sollte die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit - auch in schlechten Zeiten - grundlegender Bestandteil der Betrachtung sein. Eine laufende, das heißt an die Marktpreisentwicklung angepasste Liquiditätsplanung sollte zentrales Managementwerkzeug eines jeden landwirtschaftlichen Betriebs sein. Sinnvoll ist eine monatsweise Darstellung über einen Zeitraum von 12 bis 24 Monaten hinweg. Die so ermittelten Liquiditätsüberschüsse sollten in guten Zeiten zur Bildung von Reserven genutzt werden. Weiteren Spielraum kann die Umschuldung von kurzfristigen in langfristige Verbindlichkeiten verschaffen. Zudem ist die Nutzung von Betriebsvergleichen ratsam. Sie können als Controllinginstrument genutzt werden, um weitere Kostenreserven zu erschließen. Alles trägt dazu bei, den Betrieb vor Liquiditätsengpässen zu schützen und ihn so aufzustellen, dass er in nächsten Krise seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann.

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