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Investitionen in Maschinen

Autor: Albrecht Schünemann und Erik Hellmund
Erschienen: Rheinische Bauernzeitung 
Datum: 04.01.2016

Was bei der Finanzierung zu beachten ist

Bei der Investition in neue Maschinen ist neben der Entscheidung über Marke, Ausstattung und Größe auch eine Entscheidung über die Finanzierung dieser Anschaffung zu treffen. Zahlreiche Anbieter und verschiedene Finanzierungsformen stehen dazu zur Auswahl. Nachfolgend ein Überblick über den Finanzierungsmarkt für landwirtschaftliche Maschinen.

Die Messe Agritechnica hat kürzlich erneut den steten Fortschritt bei der Landtechnik gezeigt. Neben dem Trend zu größeren Arbeitsbreiten und stärkeren Antriebsaggregaten sehen wir weiterhin eine Zunahme der Ausstattungsmerkmale. Präzision, Überwachung und Dokumentation aber auch Komfort stehen bei vielen Herstellern im Vordergrund. Entsprechend prägen kürzere Innovationszyklen und höhere Investitionskosten die Finanzierungspraxis.

Um von Anfang an die Weichen richtig zu stellen, sollte der Erwerb neuer Maschinen in einen gesamtbetrieblichen Investitions- und Finanzierungsplan aufgenommen werden. Dieser umfasst im Idealfall die nächsten zwei bis drei Jahre. Gerade Technikinvestitionen – in Zeiten hoher Erzeugerpreise mit kurzen Laufzeiten finanziert oder aus Eigenmitteln bezahlt – belasten in Phasen wie der aktuell starken Preisschwäche die Liquidität der Betriebe. Umso gründlicher muss die Frage nach dem „ob“ und wenn ja „wie“ beleuchtet werden.

Hochmoderne und kapitalintensive Maschinen und Geräte erfordern eine hohe Auslastung. Ist sie auf dem eigenen Betrieb nicht gewährleistet, ist der überbetriebliche Einsatz oder die Auslagerung dieser Tätigkeit an einen Lohnunternehmer in Erwägung zu ziehen.

Auch die Finanzierungsform sollte sorgfältig gewählt werden. Dabei kommt dem Brutto-Cashflow eine besondere Bedeutung zu. Dieser berechnet sich aus Betriebsergebnis zuzüglich Abschreibungen und sollte auch in Jahren mit schwächeren Erzeugerpreisen für die Tilgung der Kredite, die notwendigen Privatentnahmen und die Ertragssteuern ausreichen. Darauf ist bei der Wahl der Finanzierungslaufzeit zu achten. Unterschreitet die Finanzierungsdauer die angestrebte Nutzungsdauer des Investitionsgutes, belastet es die Liquidität aber auch die Ratingnote, da diese nicht unwesentlich von der Anlagendeckung als Verhältnis von langfristigem Kapital zum Anlagevermögen geprägt wird.

Der richtige Finanzierungspartner: Die Gesamtkosten entscheiden

Für den Landwirt stellt sich meistens die Frage, ob er die Technik direkt beim Händler oder bei der Hausbank finanziert. So bieten viele Landtechnikhersteller mit der hauseigenen Finanzierungsgesellschaft scheinbar unschlagbare Konditionen. Manche Landmaschinenhändler bieten Finanzierungen zu 0,00 Prozent p. a. an. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Schnell kann sich das vermeintlich attraktive Angebot als Lockangebot entpuppen. Der Zins scheint günstig, der Preis ist es aber nicht, da die Kosten für den günstigen Zins in die Kaufpreise einkalkuliert werden. Meistens kann die Händlerfinanzierung als schnelle und im Vergleich günstig wirkende Lösung angeboten werden. Dazu ist häufig nur die Gewinnermittlung und eine aktuelle BWA vorzulegen. Bei kleineren Finanzierungsbeträgen reichen dazu oft auch Informationen von Auskunfteien wie etwa der Creditreform. Der Verzicht auf umfangreiche Bonitätsunterlagen ist aber an zahlreiche Voraussetzungen geknüpft. So ist es nicht unüblich, dass neben der Umsatzsteuer auch eine erhebliche Anzahlung von bis zu 25 Prozent des Bruttokaufpreises sofort fällig ist, die das Risiko für die Finanzierungsgesellschaft direkt reduziert. Somit kann es zu einer hohen Liquiditätsbelastung kommen, die anderweitig finanziert werden muss. Meistens sind die Zahlungsweisen normiert, sodass monatlich gleichbleibende Ratenverläufe angeboten werden. Hinzu können Bearbeitungsgebühren kommen, die in der Gesamtkalkulation nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Bei manchen Herstellern müssen sich die Händler an der Finanzierungssubvention beteiligen. Dieser Zuschuss lässt sich dann nur schwer bei der Diskussion über den Kaufpreis wegverhandeln. Anders stellt es sich bei der Finanzierung über die Hausbank dar. Hier werden marktgängige Konditionen angeboten, die nicht vom Hersteller subventioniert werden. Dadurch wird sie in der Regel etwas teurer sein als die vergleichbare Händlerfinanzierung. Allerdings bietet sie dem Kunden die Möglichkeit, beim Landtechnikhändler als Barzahler aufzutreten und einen im Vergleich höheren Rabatt auf den Listenpreis auszuhandeln. Auch ist mit ihr meistens eine höhere Flexibilität verbunden. So sind bei der Hausbank Finanzierungen des vollen Kaufpreises möglich und individuelle Ratenverläufe stellen auch keine Seltenheit dar, gerade wenn sich die Bank auf die Landwirtschaft spezialisiert hat und die Bedürfnisse seiner Kunden kennt. Allerdings kann die Prüfung durch die Hausbank umfangreicher ausfallen, da hier das Finanzierungsrisiko auf die Kundenbonität und nicht auf das Finanzierungsobjekt allein abgestellt wird.

Die Händlerfinanzierung bietet sich damit für Landwirte an, die nach einer schnellen aber standardisierten Finanzierung suchen. Der Weg zur Hausbank eignet sich vor allem, wenn die Bedürfnisse nicht in das eng gesteckte Raster der Händlerfinanzierung passen. Zudem lohnt sich häufig der vollständige Konditionsvergleich. Es ist also unbedingt zu empfehlen, den Händler nach einem Angebot bei Barzahlung zu fragen und sein Finanzierungsangebot mit dem der Hausbank zu vergleichen. Erst wenn diese Informationen vorliegen, können die Gesamtkosten verschiedener Finanzierungen ermittelt und verglichen werden, was allein mit den nominalen Finanzierungszinssätzen nicht möglich ist.

Das richtige Finanzierungsprodukt: Die Bedürfnisse entscheiden

Neben der Wahl des Finanzierungspartners bedarf es auch einer Entscheidung, mit welchem Finanzierungsprodukt die Investition begleitet werden soll. Darlehen, Leasing, Mietkauf – die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Übersicht zeigt, worin sich die wesentlichen Produkte unterscheiden:

Leasingverträge zeichnet aus, dass die Objekte nicht in der Bilanz des Kunden ausgewiesen werden. Auf Mietkauf- und Darlehensverträgen trifft dies hingegen zu. Ebenso steht bei diesen Varianten schon bei Vertragsabschluss fest, wann die Maschine in den Besitz des Kunden übergeht.

Bei Leasing- und Mietkaufverträgen ist eine Leasinggesellschaft Vertragspartner. Um das Objekt zivilrechtlich zu erwerben, muss auch sie sich refinanzieren. Diese Refinanzierungskosten werden neben den originären Kosten und einem Gewinnanspruch in die Verträge einkalkuliert. Was also ist der Mehrwert für diesen „Aufpreis“ gegenüber einem Darlehen? Leasingverträge werden außerhalb der Bilanz und die Leasingraten lediglich als Aufwand bei der Gewinnermittlung abgebildet. Zudem werden dem Kunden am Laufzeitende Optionen zur Verfügung gestellt, die die gewünschte Flexibilität erst ermöglichen. Typischerweise kommen dabei drei in Betracht: Der Kunde kann sich entscheiden, ob das Objekt 1. zurückgegeben, 2. weitergenutzt oder 3. doch gekauft werden soll. Mit der Rückgabe und Nutzung einer Neu-Maschine ist dem Kunden so die Möglichkeiten gegeben, immer mit modernen Maschinen zu arbeiten und vom technischen Fortschritt größtmöglich zu profitieren. Bei Leasing- und Mietkaufverträgen können Ratenverläufe auf die individuelle Unternehmenssituation angepasst werden.  So lässt sich beispielsweise durch einen Restwert bei Leasingverträgen die Liquidität während der Laufzeit schonen, um von der Werthaltigkeit des Objektes am Laufzeitende zu partizipieren.

Sollen Mittel aus Investitionsförderprogrammen in die Finanzierung eingebunden werden, kommen ausschließlich Mietkauf- und Darlehensverträge in Betracht, da die Objektbilanzierung meistens Voraussetzung für die Mittelinanspruchnahme ist.  Hier empfiehlt sich eine individuelle Prüfung. Weiterhin kommen Darlehens- und Mietkaufverträge insbesondere dann in Frage, wenn die Eigentumsverschaffung von Vornherein geplant ist. Im Vergleich zum Darlehen bietet Mietkauf grundsätzlich einen größeren Spielraum zur Ausgestaltung des Ratenverlaufs, ist jedoch bei sonst gleichen Bedingungen teurer.

Leasing eignet sich in Fällen, wo die Nutzung des Objektes im Fokus steht und ein Höchstmaß an Flexibilität gewährleistet werden soll. Hier kann der Kunde am Vertragsende entscheiden, was mit dem Objekt geschieht. Um spätere Überraschungen zu vermeiden, ist es ratsam, sich vor Vertragsunterzeichnung genau über alle Chancen und Risiken am Vertragsende beraten zu lassen.

Den größtmöglichen Entscheidungsspielraum erhält der Kunde stets, wenn er alle drei Vertragsarten auf Basis seiner Bedürfnisse miteinander vergleicht. Im Optimalfall erstellt die Hausbank für alle drei Vertragsarten ein Angebot. Die meisten Kreditinstitute betreiben hierzu Kooperationen mit Leasinggesellschaften, um ein breitgefächertes Produktangebot bereitzustellen.

Die Entscheidung über eine Maschineninvestition sollte, wie jede größere Investitionsentscheidung, wohl überlegt sein und in einem gesamtbetrieblichen Kontext erfolgen. Dazu gehört auch die Entscheidung für eine bestimmte Finanzierungsform: Eigenkapital, Leasing, Mietkauf oder ein Darlehen. Hier sind die individuellen Bedingungen im Unternehmen einzubeziehen und ggf. mit Beratung und Hausbank zu besprechen. Ist diese Entscheidungen getroffen,  sollten die jeweils passenden Finanzierungsangebote verglichen werden. So finden Sie die für Sie passende und kostengünstigste Finanzierungsform für die neue Maschine.

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