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Die DKB auf dem Weg in die Cloud – Chancen & Herausforderungen auf dem Weg zum Technologieunternehmen

Netflix nutzt sie, um den Filmabend zum Genuss zu machen. Amazon, Google und Dropbox auch: die Cloud. Aus unserem Alltag kennen wir die unscheinbare digitale Wolke schon lange - wenn auch unbewusst: Ganz selbstverständlich speichern wir Bilder in der Cloud, verabreden uns mit Freunden und chatten mit der Familie. Viele unserer alltäglichen Dienste und Services funktionieren nur über eine Cloud, wollen wir den Datenzugriff immer, überall und auf allen Geräten. Die schnelle Verfügbarkeit überzeugt die Endverbraucher*innen und transformiert die IT ganzer Branchen.

Autor*in: Arnulf Keese
Datum: 11.05.2022
Lesedauer: 7 Minuten

Die Bedeutung der Cloud für die Finanzindustrie und die DKB

Aber was bedeutet die Cloud eigentlich für die Finanzbranche und welche Rolle spielt die Technologie bei der DKB in Verbindung mit ihrem starken Wachstum und ihrem Weg zur TechBank? Und welche Vorteile haben unsere Kund*innen davon? Denn Technologie ist meist die Antwort auf ein Problem, das es effizient zu lösen gilt.

Durch die dynamische Nutzung von Cloud-Diensten können Produkte schneller an den Start gebracht, innovative Services entwickelt, Skalierbarkeit ermöglicht und in vielen Fällen auch Kosten gespart werden. Insbesondere im Hinblick auf die agilen Arbeitsmethoden ist die von den Cloud-Services angebotene, enorme Flexibilität für die digitale Transformation der Finanzindustrie von entscheidender Bedeutung. Damit ist die Cloud-Technologie für die Zukunftsfähigkeit der Finanzbranche und auch die der DKB enorm wichtig. Es findet kundenseitig ein Generationswechsel statt – mit neuen Anforderungen und einem hohen Bedarf an Echtzeit-Services. Banken die auf bisher etablierte Systeme (on-prem Technologie) setzen, werden es in Zukunft schwer haben ein modernes Kundenerlebnis beim Banking zu generieren.

Fragmentierte IT-Landschaften, überhöhte Infrastruktur- und Wartungskosten, verzögertes Kundenfeedback oder langwierige Produktzyklen kann sich heute eigentlich keiner mehr leisten – die Cloud bietet hier eine attraktive Lösung.

Den Datenschwarm effizient steuern

Immer mehr Daten und eine komplexere IT-Architektur sind Alltag vieler Unternehmen geworden. Die Corona-Pandemie wirkt wie ein Katalysator für öffentliche (Public), private (Private) und hybride Cloud-Anwendungen. Die beliebte Datenwolke speichert, verarbeitet und ruft Daten dezentral und skalierbar über ein webbasiertes Rechnernetzwerk ab.

Wenn wir online Müsli bestellen oder just-in-sequence einen Neuwagen bestellen, ist die Cloud bereits heute der Knotenpunkt des Datenschwarms. Damit wird sie für Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor für ein wettbewerbsfähiges Kunden*innenmanagement. Aber sind es wieder mal die BigTechs wie Google, Apple oder Facebook, die hier den Takt vorgeben? Ja! Sie legen die Messlatte für ein smartes, digitales Kunden*innenerlebnis hoch, verändern dabei viele Branchen - und damit auch die Finanzwirtschaft.

Die DKB investiert zusätzlich 400 Millionen Euro bis 2023 in ihre technologische Infrastruktur und die Digitalisierung. Die schrittweise Migration der IT-Systeme in die Cloud ist dabei einer der wichtigsten Schritte, um in Zukunft neue Services und Produkte schneller und effizienter zu gestalten. Ein starker Partner an der Seite der DKB ist hierbei der weltweit größte Cloud-Anbieter Amazon Web Services (AWS).

Warum gehen wir in die Cloud?

Die Nutzung der Cloud umfasst grundsätzlich drei Säulen bzw. Service-Modelle: Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS). Die großen Cloudanbieter - insbesondere die Amazon Web Services (AWS), Microsoft und Google - decken mit ihren Angeboten alle diese drei Säulen ab.

Beim Einsatz von Data Science spielt das Thema IaaS eine wichtige Rolle. Während in einem klassischen Rechenzentrum Hardware teuer und mit langen Vorlaufzeiten erworben werden muss, stehen Cloud-Ressourcen – ob einzelne Rechner oder ganze Rechencluster – per IaaS im Regelfall innerhalb weniger Minuten zur Verfügung.

Das gilt auch andersherum: Sobald Rechenkapazität nicht mehr benötigt wird, kann diese ebenfalls in Minuten wieder an den Cloud-Anbieter zurückgegeben und muss nicht mehr bezahlt werden. Cloud bietet also ein vollständig flexibles Hardware-Leasing auf Minutenbasis – die Schlüsselwörter sind „on demand“ und „pay per use“.

Die Herausforderung ist dabei, sehr große Datenmengen zu verarbeiten, zu verdichten und Muster zu erkennen oder leistungsfähige Modelle der Künstlichen Intelligenz (KI)unter Beachtung der regulatorischen, insbesondere datenschutzrechtlichen Anforderungen zu trainieren. Gerade das Training von KI-Modellen benötigt in vielen Fällen enorme Rechenkapazität und spezialisierte Hardware. Dazu kommt, dass laufend neue, noch leistungsfähigere Grafikprozessoren (GPUs) entwickelt werden mit weiteren speziellen Optimierungen für KI-Anwendungen. Die laufenden Investitionen, um die Hardware auf dem aktuellen Stand zu halten, werden von den großen Cloud-Anbietern übernommen und durchgeführt.

Neben der Data-Science-Entwicklung bieten die Cloud-Anbieter auch Services, die auf einzelne KI-Anwendungsbereiche spezialisiert sind, wie z.B. die Erkennung gesprochener Sprache, die Betrugserkennung oder die Verarbeitung von Dokumenten und Formularen. Dieser Werkzeugkasten bietet wichtige Grundbausteine, mit denen man neue Data-Science-Anwendungen in kurzer Zeit an den Start bringen kann.

Die Vorteile liegen also auf der Hand.

Sicherheit der IT-Infrastruktur hat höchste Priorität

Man könnte es aktuell Experimentierphase oder Sandbox nennen, in der Banken Cloud-Lösungen testen. Häufig werden SaaS (Software-as-a-service)- oder PaaS-Lösungen (Platform-as-a-service) verwendet. Das Potential für das Banking der Zukunft ist riesig. Die Technologie muss aber zugleich sicher und resilient sein, um Daten mit einer hohen Sicherheit und Verfügbarkeit in die Cloud zu migrieren. Ein häufig hervorgebrachtes Argument für Cloud-Computing ist die erhöhte Sicherheit der Infrastruktur im Vergleich zu selbst betriebenen Plattformen. Der Cloud-Dienstleister übernimmt das Patch- und Incident-Management und dies in der Regel auch äußerst schnell.

Eine transparente Sicherheitsarchitektur ist also vor allem für die Endverbraucher*innen beim Banking sehr wichtig. Der deutsche Bankenverband engagiert sich dahingehend zum Beispiel bei der Europäischen Initiative, dem EBF Cloud Banking Forum, für einen verantwortungsvollen und technologieneutralen Einsatz der Cloud-Technologie im Banking. Es wird in Zukunft sicher die nicht die EINE Lösung geben. Die Verzahnung zwischen in-house IT-Systemen und externen Cloud-Applikationen wird voraussichtlich Standard sein. Dies hängt von der eigenen strategischen IT-Architektur der Akteur*innen am Markt ab.

Schlussendlich können wir festhalten: Es braucht klare regulatorische Leitplanken, an denen sich z.B. Banken orientieren können, um die Cloud sinnvoll und kundenorientiert zu integrieren. Vor allem der Einsatz der Cloud im Finanzwesen bleibt also in der Praxis spannend und birgt zugleich großes Potential, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Im Gespräch und Dr. Imke Jacob, Junior Partnerin bei McKinsey und Arnulf Keese Digitalvorstand der DKB werden hier vier weitere Fragen zum Thema Cloud und deren Auswirkungen auf die Arbeit in den Finanzinstituten beantwortet.

Imke Jakob
Arnulf Keese

Die DKB im Interview mit Dr. Imke Jakob und Arnulf Keese:
Was macht die Cloud-Technologie zu einem Game-Changer in nahezu allen Branchen?

Dr. Imke Jacob:
Unabhängig von der Industrie treiben Cloud-Lösungen die Standardisierung von Prozessen voran und ermöglichen somit ein völlig neues Level an Skalierung und Automatisierung. Neben den eher ‘Effizienzlastigen‘ Vorteilen geht mit der Entwicklung der Cloud aber auch ein ganzes Ecosystem einher: Hier sind Zusatzfeatures denkbar, die die Differenzierung zu Wettbewerbern unterstützen können. Beispiele hierfür wären eine Co-Creation von Produkten mit Cloud-Anbietern, die Nutzung von deren Produkten oder sogar die Erschließung neuer Kanäle. Der Business Case für die Cloud rechnet sich nicht allein über Kosten.

Wie kann eine Bank mit hohem Kundenfokus von der Cloud profitieren und was sind die Top-3 Herausforderungen?

Dr. Imke Jacob:
Bei der Kundenfokussierung ist insbesondere die Zeit ein Erfolgsfaktor – Zeit im Sinne von Antwortzeit auf Kundenanfragen, aber auch als Time-to-Market von Angeboten oder in der Kapazität im Sinne Zeitaufwand und Ressourcen. Cloud-Technologie hat genau das zum Vorteil, neben der Effizienz im Technologiebereich werden Geschäftsprozesse optimiert und Innovationen vorangetrieben, was wiederum das Wachstum unterstützt.

In einer unserer letzten Umfragen unter Finanzdienstleistungsinstituten haben wir genau die Frage nach Herausforderungen gestellt – was steht dem Einsatz von Cloud-Lösungen entgegen? Das Ergebnis war: Die Komplexität der Migration schreckt viele ab (und auch die fehlenden Mitarbeiter mit den entsprechenden Fähigkeiten). Darüber hinaus sehen viele das Thema Business Case sowie nicht zuletzt Sicherheitsbedenken als Hindernisse. In Summe sehen wir, dass das Thema Private Cloud die Bedenken derzeit noch mehr ausräumt als der Gang in die Public Cloud – aber wie sagt man, ‚Cloud is a journey, not a destination'

Welche Form der Cloud-Migration wird sich am Finanzmarktplatz durchsetzen?

Arnulf Keese:
Finanzinstitute können die gleichen Vorteile aus der Cloud holen, wie alle anderen Unternehmen auch. Und das ist vor allem Skalierbarkeit, Geschwindigkeit und Flexibilität.

Skalierbarkeit ergibt sich aus der fast unendlichen Verfügbarkeit von Rechen- und Speicherkapazität der Hyperscaler. Damit kann man Nachfragespitzen und Wachstum abfedern, aber auch komplizierte Berechnungen z.B. für Meldewesen abbilden, weil man immer nur die Kapazität bezahlt, die man nutzt. Und diese zusätzliche Kapazität kann innerhalb von Sekunden hochskaliert werden – vollautomatisch.

Geschwindigkeit bietet die Cloud, weil als Voraussetzung für die Skalierbarkeit alle Produktionsschritte vollautomatisiert laufen müssen – einhergeht, dass man die Anzahl der Releases beliebig erhöhen kann.

Flexibilität gewinnt man durch Einsatz der Cloud, weil durch die Automatisierung der Fokus weg von sich wiederholenden administrativen Tätigkeiten zu wertstiftenden Weiterentwicklungen am Produkt verschiebt. Vom kleinsten Startup bis zum größten Konzern - alle profitieren davon.“

Kann eine europäische Public Cloud die Lösung sein, um einheitliche Standards zu etablieren?

Dr. Imke Jacob:
Die großen Anbieter sind schon sehr weit entwickelt – alleine im deutschen Markt sehen wir, dass die Anzahl der Ankündigungen von Banken zur Zusammenarbeit mit diesen ‚Spielern' in der letzten Zeit immens zunimmt. Eine Präferenz für einen Anbieter ist aber nicht zu erkennen und die Standards sind hier bereits sehr fortgeschritten."

Arnulf Keese:
Ehrlich gesagt sehe ich aktuell keine einheitliche Lösung über die Public Cloud. Europa hat die letzten 20 Jahre die Entwicklung der Cloud verpasst und folgt dabei einem Trugschluss: Denn die Hyperscaler bieten nicht nur Infrastruktur und Rechenkapazität, sondern vor allem ein Ökosystem aus Werkzeugen und Dienstleistungen. Man kann innerhalb von ein paar Stunden ein komplettes Rechenzentrum samt Anwendungen mit integriertem Marketing auf die Beine stellen. Egal ob man ein Startup oder ein globaler Konzern ist. Größe ist irrelevant, Geschwindigkeit und Kreativität alles. Die Cloud hat Infrastruktur demokratisiert.

Eine europäische Public Cloud wäre wünschenswert, aber dabei nur an Leitungen und Server zu denken, ist nicht ausreichend. Konzeption und Entwicklung, die richtigen Ressourcen, Tools und Services sind dabei auch relevant. Überspitzt sind klassische DIN-Standards nicht der richtige Weg, sondern Open Source Initiativen optimieren ihre Lösungen und daraus entstehen quasi sichere und effiziente Standards, denen die Welt folgt.

 


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