

Wer Milchkühe hält, erzielt heute dank neuester Technik höchste Leistungen. Gleichzeitig rückt das Tierwohl immer mehr in den Fokus. Was Sie über Neubau oder Rekonstruktion Ihres Stalls wissen sollten.
Der Stall ist veraltet und nicht mehr wirtschaftlich oder er entspricht nicht mehr den aktuellen Tierwohlstandards? Vielleicht steht auch eine Betriebsnachfolge an und die jüngere Generation möchte den Betrieb mit moderner Technik weiterentwickeln und auf diese Weise zukunftssicher machen. Ob Sie einen kleinen oder großen Hof besitzen, einen kompletten Neubau oder eine Rekonstruktion wünschen – die Ausgangslagen sind bei einem Stallbau so vielfältig wie die Betriebe selbst. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Der Bau ist ein großes Projekt, das Sie langfristig planen müssen. Dabei ist nicht nur eine gute Planung essenziell. Auch die Finanzierung sollten Sie frühzeitig sichern.
Jeder neue Stall beginnt mit einer Idee – und die ist bestenfalls realistisch. Ob Sie einen Liegenboxenlaufstall modernisieren, einen Mutterkuhstall planen, oder einen Offenstall für Ihre Jungrinder realisieren wollen: Er muss zu Ihrem Standort passen. Das bedeutet, er findet nicht nur genügend Platz, der Neubau muss auch mit Ihren Arbeitsprozessen harmonieren und Ihren Betrieb auf die Zukunft vorbereiten. Schließlich finanzieren Sie eine Investition, die für die nächsten 20 bis 30 Jahre stehen soll. Das bedeutet:
Sie brauchen einen Stall, der die Haltungsstufe verbessert – und der auch noch den gesetzlichen Vorgaben entspricht, wenn sich diese verschärfen. Bedenken Sie also frühzeitig Faktoren wie eine flexible Stallaufteilung, Laufgänge oder ein gutes Stallklima.
Ein neuer Stall soll Ihre gewohnten Arbeitsprozesse verbessern. Wie können kürzere Arbeitswege entstehen? Haben Sie genug Lagerflächen? Welche Techniken lassen sich sinnvoll ergänzen? Macht zum Beispiel eine automatische Entmistung bei Ihnen Sinn?
Sind Sie bereits im Bau, sollten Sie auch an das Thema erneuerbare Energien denken. Können Sie Ihre bestehende Photovoltaikanlage ergänzen? Oder vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, um sie neu zu integrieren. Vielleicht wollen Sie auch mit einer Biogasanlage aufrüsten. Mit dieser können Sie Gülle und Mist energetisch nutzen und den Betrieb unabhängiger von Energiepreisen machen.
Es ist wichtig, dass Sie Ihre Mitarbeitenden mit einbeziehen. Gemeinsam überlegen Sie, wie alle zufrieden und effizient arbeiten können. Zusätzlich ist professionelle Unterstützung zu empfehlen: Engagieren Sie ein spezialisiertes Planungs- oder Bauingenieurbüro für Agrar- und Stallbauten sowie ein landwirtschaftliches Beratungsunternehmen. Diese Expert*innen prüfen für Sie, ob Ihre Pläne umsetzbar sind, und erstellen mit Ihnen zusammen ein Konzept für den neuen Stall. Sie übernehmen auch wichtige Aufgaben im Bauprozess: Sie unterstützen Sie bei Anträgen, planen Kosten und Bauzeiten und helfen Ihnen, die passenden Baufirmen und Handwerksbetriebe zu finden.
Erreicht Ihr Betrieb den festgelegten Schwellenwert der 4. BImSchV, ist eine Genehmigung gemäß dem Bundes-Immissionsschutzgesetz notwendig. Dieser Fall tritt ein, wenn Sie mindestens 600 Milchkühe halten. Eine Ausnahme gilt bei Mutterkühen mit mehr als 6 Monaten Weidegang im Jahr.
Im BImSchG sind Maßnahmen zum Tier- und Umweltschutz vorgeschrieben, die Sie beim Bau einhalten müssen. Nähere Informationen erhalten Sie bei der zuständigen Genehmigungsbehörde Ihrer Kreisverwaltung. Ein sachverständiges Gutachterbüro kann Sie dabei unterstützen, die notwendigen Unterlagen zusammenzustellen.
Beachten Sie: Bis die Genehmigung erteilt ist, können bis zu 3 Jahre vergehen.
Die Finanzierung für einen Stallbau setzt sich meist aus mehreren Komponenten zusammen. Dazu gehören unter anderem Förderprogramme und ein Darlehen der Hausbank. Das Thema Förderprogramme ist komplex: Diese unterscheiden sich in der Regel von Bundesland zu Bundesland und sind eventuell an Bundes-, Landes- oder EU-Programme gekoppelt. Die Förderung bezuschusst Maßnahmen zu mehr Tierwohl und Umweltschutz, unterscheidet sich aber von Fall zu Fall. Oft können Sie eine Förderung auch nur innerhalb eines begrenzten Zeitraums beantragen – vor allem, wenn die Zuschusssumme limitiert ist.
Haben Sie die BImSchG beantragt, steht Ihnen eine längere Wartezeit bevor, bis Sie den Bau starten können. Nutzen Sie diese, um die weitere Finanzierung mit Ihrer Bank zu klären. Idealerweise suchen Sie das erste Gespräch bereits mit einer ersten Idee für den neuen Stall. Spätestens wenn das Grobkonzept steht, sollte Ihre Bank involviert sein. Nicht immer sind alle Vorhaben finanzierbar. Mit genügend Anlaufzeit können Sie gemeinsam mit Ihrer Bank einen umsetzbaren Investitions- und Finanzierungsplan erarbeiten.
Es ist wichtig, dass Sie von Anfang an Ihre betriebswirtschaftliche Lage offen kommunizieren. Bringen Sie daher alle wichtigen Unterlagen mit – bestenfalls übersichtlich aufbereitet. Landwirtschaftliche Steuerberater*innen und Prüfverbände erstellen für Sie:
Jahresabschlussunterlagen und betriebswirtschaftliche Auswertungen
Summen- und Saldenlisten
Planungs- und Liquiditätsunterlagen, die die Investitionsmaßnahme betreffen, also für die nächsten 2 bis 3 Jahre
eine Aufbereitung der Bestandszahlen über den Betrieb, je nach Betriebszweig wie Milch, Pflanzen, Photovoltaik oder Biogasanlage
Im gemeinsamen Gespräch mit Ihrer Bank ermitteln Sie, was Ihr Betrieb an Kosten und Risiken aushält.
In der Regel wird ein Stallbau nicht nur über ein Darlehen finanziert, sondern über mehrere. Die Netto-Investitionsmaßnahme läuft oft erstmal über eine Zwischenfinanzierung – dabei spielen auch Fördermittel und die Mehrwertsteuerrückzahlung eine Rolle. Später beschließen Sie gemeinsam mit der Bank verschiedene Finanzierungsbausteine. So erhalten Sie beispielsweise getrennte Darlehen für die bauliche Hülle und Technik. Wie gut die nachhaltige Kreditwürdigkeit eines Betriebs ist, hängt dabei von mehreren Faktoren ab: Die Finanzkennzahlen spielen ebenso eine Rolle wie die Erfahrung des Betriebsmanagements.
Die Bank prüft, ob Eigenkapital nötig ist, um den neuen Stall zu finanzieren. Es ist wichtig, dass dem Betrieb Liquiditätsreserven bleiben, da die Phase des Umbaus eine vulnerable Zeit ist. Sie sollten also über Rücklagen für eventuelle, unvorhergesehene Ereignisse verfügen. Das bedeutet auch: Der Neubau muss sich über das Betriebskonzept rechnen. Zudem müssen entsprechende, erstrangige Sicherheiten zur Verfügung stehen. Daraus ergibt sich auch die Frage, ob das Bauprojekt rentabel ist oder nicht. Unter Umständen müssen Sie bei Ihrem Vorhaben Abstriche machen, um die Kosten zu reduzieren.
Die Kreditlaufzeit hängt von der Investition ab: Bei baulichen Maßnahmen kann man mit maximal 20 Jahren rechnen. Die Laufzeit für die Technik beträgt üblicherweise bis zu maximal 10 Jahre, bei einer mobilen Technik sind es nur maximal 8 Jahre. Dabei ist eine tilgungsfreie Zeit nach Inbetriebnahme des neuen Stalls oft empfehlenswert.
Ein Stallneu- oder -umbau ist eine herausfordernde Zeit für den Betrieb. Der Neubau bringt eine finanzielle Mehrbelastung, gleichzeitig müssen Sie schwankende Marktpreise abfedern. Nicht selten kommt es zudem zu unschönen Überraschungen: Die Baukosten können sich erhöhen oder die Bauzeit verlängert sich durch Lieferverzögerungen. Unter Umständen kommen Baumängel zum Vorschein.
Aber auch wenn der Stall bereits fertig ist, erbringt er nicht sofort die vollen, möglichen Einnahmen: Alle Mitarbeitenden müssen sich erst in die neuen Prozesse einfinden. Und auch die Kühe brauchen eine Weile, um mit dem neuen Stall und dem neuen Melkstand zurechtzukommen – und können in dieser Zeit erstmal weniger statt mehr Leistung bringen.
Die DKB steht Ihnen zur Seite. Gerne besprechen wir gemeinsam, wie Sie Ihren Stallneu- oder -umbau finanzieren. Wir unterstützen Ihr Bauvorhaben zum Beispiel mit den passenden Finanzierungsbausteinen. Mit einem guten Liquiditätsmanagement können Sie Engpässe überbrücken. Mit unseren Zwischenfinanzierungen können Sie finanzielle Stressphasen während des Bauvorhabens abfedern. Vereinbaren Sie gerne einen Termin mit uns.