Der Agrarmarkt ist volatil

Eine gute finanzielle Planung als Schlüssel zum Erfolg – Liquiditätsmanagement ist für jedes Unternehmen wichtig, besonders jedoch für Landwirt*innen. Der Grund? Gerade der Agrarmarkt ist extrem volatil, durch die Globalisierung hat sich diese Volatilität in den letzten Jahren und Jahrzehnten weiter verstärkt. Hauptursache der stark schwankenden Preise ist, dass sich die Verfügbarkeiten von global gehandelten Agrarstoffen verändern – etwa durch den Klimawandel und damit einhergehende Ernteausfälle. Aber auch Faktoren wie Exportbeschränkungen wirken sich auf die Entwicklungen der Preise aus.

Die stetigen Preisschwankungen bedeuten für Agrarwirt*innen ein größeres unternehmerisches Risiko. Dafür sind viele von ihnen sensibilisiert und planen vorausschauender – schließlich haben sie bereits Dürrejahre, die große Milchkrise und die Schweinepest erlebt. Trotzdem: Verbesserungspotenzial gibt es fast immer. Immer noch suchen einige Landwirt*innen erst dann nach Unterstützung, wenn das Konto bereits leer ist.

Was bedeutet Liquiditätsmanagement in der Landwirtschaft?

Ziel des Liquiditätsmanagements ist, dass das landwirtschaftliche Unternehmen zu jeder Zeit zahlungsfähig bleibt. Die Grundlage dafür: Die Agrarwirt*innen kennen alle ihre Zahlungsein- und -ausgänge bis ins Detail. Diese können sie dann entsprechend steuern – und frühzeitig erkennen und reagieren, wenn sich ein Liquiditätsengpass abzeichnet.

Besondere Herausforderungen für Landwirt*innen beim Liquiditätsmanagement

Eine genaue Planung von Zahlungsströmen macht insbesondere das Marktumfeld, in dem sich Agrarwirt*innen bewegen, notwendig. Hier sind sie mit deutlich mehr Herausforderungen konfrontiert als andere Branchen:

  • Der Agrarmarkt ist von enormen Schwankungen geprägt – sowohl auf Erzeugerpreis- als auch auf Kostenseite. Ein Beispiel hierfür: der Milchpreis. Er lag in der Milchkrise von 2015/16 bei nur 0,22 €. 2022 stieg er auf 0,60 € an und könnte 2023 wieder auf 0,40 € fallen. Beispielhaft sind auch die Kosten für Düngemittel – sie haben sich im vergangenen Jahr zeitweise verfünffacht.

  • Unsichere Erntemengen wirken sich ebenfalls auf die Zahlungseingänge aus. Speziell der Klimawandel erschwert deren Planbarkeit und kann die Ertragssituation stark beeinflussen – etwa, wenn extreme Trockenheit für eine schlechte Ernte beim Maisanbau sorgt.

  • Landwirt*innen betreiben ein Saisongeschäft und haben deshalb einen Vorfinanzierungsbedarf. Im Herbst bereiten sie etwa Felder vor und beginnen zu säen – ernten können sie jedoch oft erst im Sommer des Folgejahres. Über ein dreiviertel Jahr ist ihr Finanzierungsbedarf sehr hoch, Geld gibt es dagegen nur einmalig nach der Ernte.

Wie erstellen Sie einen Liquiditätsplan für Ihren landwirtschaftlichen Betrieb?

Auch bei der Liquiditätsplanung spielt der saisonale Charakter der Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Zahlungsein- und ausgänge sollten Agrarwirt*innen deshalb immer auf Monatsebene planen, anstatt sie auf Jahresebene zu betrachten. Wer einen Plan erstellen will, geht folgendermaßen vor:

  • Zahlungseingänge planen: Listen Sie die zu erwartenden Zahlungseingänge aus dem Verkauf von Milch, Fleisch, Getreide und Co. auf. Unter Umständen kommen dazu noch Betriebsprämien von der EU.

  • Kosten planen: Berücksichtigen Sie sämtliche Liquiditätsabflüsse – dazu zählen etwa Personal-, Futter- und Energiekosten genauso wie Zinsen, Tilgungen und Entnahmen, etwa für private Lebenshaltungskosten.

  • Ergebnis ermitteln: Unter dem Strich ergibt sich aus Zahlungseingängen und Kosten eine monatliche Unter- bzw. Überdeckung. Aus der Summe der monatlichen Zahlungen ermitteln Sie anschließend Ihren maximalen Liquiditätsbedarf und die entsprechende Kreditlinie. Wichtig hierbei: Sie sollten immer auch einen Puffer einbauen, etwa für mögliche Preisschwankungen.

Wie weit im Voraus sollten Agrarwirt*innen solch einen Liquiditätsplan erstellen? Wir empfehlen mindestens zwölf Monate. Auf diese Weise können sie die komplette Saison erfassen.

Wichtig: Finden Sie den richtigen Ausgangspunkt für Ihre Planung

Einige Landwirt*innen machen bei der Liquiditätsplanung den Fehler, bei null zu beginnen. Dabei vergessen sie, dass es in der Regel einen positiven beziehungsweise negativen Kontosaldo gibt. Dieser sollte unbedingt in die Planung mit einfließen.

Schnelles Handeln beim Zahlungsengpass

Ob geplant oder unvorhergesehen – zeichnet sich ein Liquiditätsengpass und damit ein höherer Kreditbedarf ab, sollten Landwirt*innen möglichst frühzeitig den Weg zu ihrer Bank suchen. Bei der DKB überlegen wir dann gemeinsam mit dem*r Kund*in: Hat der Engpass saisonalen oder strukturellen Charakter? Einen normalen saisonalen Verlauf können wir als Landwirtschaftsbank gut einschätzen – und schnell und unproblematisch Hilfe leisten. Zeichnen sich jedoch strukturelle Probleme ab, ist oft eine engere Begleitung durch die Bank notwendig. Je nach Einzelfall kann dies auch verschiedene Sanierungsmaßnahmen erforderlich machen.

So optimieren Landwirte ihre Liquiditätsplanung

Liquiditätsschwankungen vermeiden Agrarwirt*innen auch mit der besten Planung nicht komplett – jedoch können sie diese glätten, indem sie vorausschauend handeln. Etwa können sie sich bereits in der Gegenwart Verkaufspreise für die Zukunft sichern, beispielsweise durch Vorverträge mit Lieferanten oder Terminkontrakte an der Börse. Im Gegenzug können Landwirt*innen selbst auch Waren wie etwa Dünger bei günstigen Gelegenheiten vorkaufen und so für mehr Planungssicherheit sorgen. Sinnvoll ist es zudem, auf Einkommensquellen zu setzen, die Marktschwankungen weniger stark ausgeliefert sind. Eine gute Option ist der Bereich der erneuerbaren Energien, wie zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen . Die Vergütung des Solarstroms basiert auf dem EEG und liefert durch diese gesetzliche Grundlage relativ stabile und gut planbare Erträge.

Der wichtigste Faktor für ein erfolgreiches Liquiditätsmanagement

Grundsätzlich gilt: Liquiditätsplanung ist immer Chef*innensache. Agrarwirt*innen sollten jederzeit in der Lage sein, eine Liquiditätsplanung selbst zu erstellen und wissen, wohin sich ihr Betrieb in den nächsten Monaten entwickelt. Im Prinzip reicht dafür bereits eine DIN-A4-Übersichtsseite.

Sie brauchen Unterstützung beim Liquiditätsmanagement? Kontaktieren Sie uns gerne – wir sind für Sie da!

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Helge Krüger, Experte für die Sozialwirtschaft und Kommunen

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