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Kosten für Notfallvorsorge in Deutschland

Notfallvorsorge ist nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine finanzielle Frage. Eine Analyse auf Grundlage der Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zeigt: Wer die empfohlenen Maßnahmen für zehn Tage vollständig neu einkauft, muss in Deutschland im Schnitt 903,18 Euro einplanen. Das entspricht knapp zwei Dritteln der durchschnittlichen Bargeldreserve und rund 30 Prozent des Median-Giroguthabens privater Haushalte.

Mai 2026

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die durchschnittlichen Kosten der Notfallvorsorge betragen 903,18 Euro pro Person für zehn Tage.

  • Der Betrag entspricht knapp zwei Dritteln der durchschnittlichen zusätzlichen Bargeldreserve von 1.417 Euro.

  • Im Verhältnis zum Median-Giroguthaben von 3.000 Euro entspricht die vollständige Notfallvorsorge rund 30 Prozent.

  • Der größte Kostenblock entfällt nicht auf Vorräte, sondern auf Energie und sanitäre Grundversorgung.

  • Lebensmittel und Getränke machen mit rund 86 Euro nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Gesamtkosten aus.

Was sind die wahren Kostentreiber der Notfallvorsorge?

Wer an Notfallvorsorge denkt, denkt oft zuerst an Wasser, Konserven oder haltbare Lebensmittel. Die Analyse zeigt jedoch: Der größte Kostenblock entsteht nicht im Vorratsschrank, sondern bei zusätzlicher Ausstattung.
Mit durchschnittlich 431,68 Euro entfällt knapp die Hälfte der Gesamtausgaben auf Energie und sanitäre Grundversorgung. Dahinter folgen die Hausapotheke mit 170,95 Euro, ergänzende Vorsorgeartikel mit 98,26 Euro sowie Lebensmittel und Getränke mit 86,46 Euro. Für Brandschutz fallen 77,80 Euro an, für Hygieneartikel 36,75 Euro. Frischobst spielt mit 1,25 Euro kaum eine Rolle, da die Empfehlungen vor allem auf haltbare Vorräte ausgerichtet sind.

Energie und Sanitär treiben die Ausgaben am stärksten

Kreisdiagramm zur prozentualen Verteilung der Gesamtkosten der Notfallvorsorge auf mehrere Kategorien. Der größte Anteil entfällt auf Energie und sanitäre Grundversorgung, während alle anderen Bereiche deutlich kleinere Anteile einnehmen und sich auf mehrere Kategorien verteilen.
Hinweis: Die Kategorisierung orientiert sich an der Struktur der BBK-Checkliste zur Notfallvorsorge. Erfasst wurden also nicht nur klassische Vorräte wie Wasser, Brot, Reis oder Konserven, sondern auch weitere Produkte, die laut Checkliste zur privaten Vorsorge gehören. Dazu zählen Artikel aus der Hausapotheke sowie Schmerzmittel, Desinfektionsmittel, Elektrolyte oder Verbandsmaterial, Hygieneprodukte wie Toilettenpapier, Waschmittel, Zahnpasta oder Sonnencreme sowie Brandschutzartikel wie Rauchmelder, Feuerlöscher und Kohlenmonoxidmelder. Auch die Kategorie Energie und Campingtoilette folgt dieser Logik. Sie umfasst nicht nur naheliegende Produkte wie Batterien, Kerzen oder Taschenlampen, sondern auch größere Anschaffungen wie eine Heizgelegenheit, einen Schlafsack, eine Campingtoilette oder ein Batterie- bzw. Kurbelradio. In der Kategorie Sonstiges wurden ergänzende Vorsorgeartikel berücksichtigt, die ebenfalls in der BBK-Logik angelegt sind, darunter etwa Wasserbehälter, Schutzhelm, Campingkocher und passender Brennstoff.

Warum sind 900 Euro finanziell relevant?

Mit rund 900 Euro erreicht die vollständige Notfallvorsorge eine Größenordnung, die im Verhältnis zu den Reserven vieler Haushalte spürbar ist. Wer zusätzliche Bargeldreserven aufbewahrt, hält dafür im Durchschnitt 1.417 Euro zurück. Das Median-Giroguthaben privater Haushalte liegt bei 3.000 Euro.
Die vollständige Notfallvorsorge entspricht damit knapp zwei Dritteln der durchschnittlichen zusätzlichen Bargeldreserve beziehungsweise rund 30 Prozent des typischen Giroguthabens. Notfallvorsorge ist deshalb nicht nur eine Frage der Vorbereitung, sondern auch der finanziellen Planbarkeit.

Zusätzliche Ausstattung treibt die Kosten

Zu den teuersten Einzelanschaffungen zählen vor allem Produkte für Wärme und die Sanitärversorgung. Ein Gasheizer kostet im Schnitt 143,48 Euro, eine Campingtoilette 121,68 Euro. Weitere wichtige Posten sind ein Batterie- oder Solarradio (41,44 Euro), ein Campingkocher (35,63 Euro), ein Kohlenmonoxidmelder (35,55 Euro) sowie Gasflasche und Brennstoff (jeweils rund 32,83 Euro).
Diese Produkte verdeutlichen, warum Notfallvorsorge schnell zur größeren Investition wird: Sie fallen vor allem deshalb ins Gewicht, weil sie häufig neu angeschafft werden müssen und nicht bereits Teil der alltäglichen Haushaltsausstattung sind.

Die teuersten Anschaffungen der Notfallvorsorge im Überblick

Balkendiagramm mit den teuersten Einzelanschaffungen der Notfallvorsorge. Zwei Ausgaben liegen deutlich über allen anderen, während die übrigen Posten eng beieinander im mittleren Preisbereich liegen.
Einzelprodukte aus dem Bereich Energie, Ausstattung und Sicherheit treiben die Kosten der Notfallvorsorge besonders stark. Heizgeräte und Campingtoiletten sind die größten Ausgabeposten.

Auch Hausapotheke und Hygiene summieren sich

Neben der technischen und ergänzenden Ausstattung fallen auch medizinische und hygienische Produkte ins Gewicht. Für eine empfohlene Hausapotheke entstehen im Schnitt 170,95 Euro, für Hygieneartikel 36,75 Euro.
Kostentreiber Hausapotheke
1. Schmerzgel: 19,49 Euro
2. Erkältungsmittel: 19,29 Euro
3. Elektrolyte: 15,63 Euro
4. Mittel gegen Sonnenbrand und Insektenstiche: 11,11 Euro
Kostentreiber Hygieneartikel
1. Waschmittel: 6,48 Euro
2. Tampons: 5,95 Euro
3. Sonnencreme: 4,60 Euro

Ausgaben für die Hausapotheke im Überblick

Innerhalb der Notfallvorsorge entfallen rund 171 Euro auf die Hausapotheke, vor allem Schmerzmittel, Erkältungsprodukte und Elektrolyte treiben die Ausgaben.
Horizontales Balkendiagramm mit den durchschnittlichen Kosten einzelner Produkte der Hausapotheke für die Notfallvorsorge. Die teuersten Positionen liegen knapp unter 20 Euro, darunter ein abschwellendes Gel für Sportverletzungen und Mittel gegen Erkältungsbeschwerden. Es folgen Elektrolyte mit rund 16 Euro sowie mehrere weitere Produkte im Bereich zwischen etwa 9 und 11 Euro, darunter Mittel gegen Sonnenbrand, Durchfall, Desinfektionsmittel und Schmerzmittel. Die übrigen Artikel liegen überwiegend im niedrigeren Preisbereich zwischen etwa 1 und 8 Euro, etwa Handschuhe, Masken, Thermometer, Pflaster oder Verbandsmaterial. Insgesamt zeigt die Grafik eine breite Verteilung mit wenigen höherpreisigen und vielen günstigeren Einzelposten.
Auch wenn diese Bereiche deutlich unter den Kosten für Energie und sanitäre Versorgung liegen, tragen sie spürbar zur Gesamtsumme bei und zeigen, dass Notfallvorsorge aus vielen einzelnen Bausteinen besteht.

Schrittweiser Aufbau statt alles auf einmal

Die Analyse zeigt, dass die Notfallvorsorge nicht als einmalige Anschaffung, sondern eher als schrittweisen Aufbau zu verstehen ist. Wer sich an den offiziellen Empfehlungen orientiert, muss die Gesamtkosten nicht zwangsläufig auf einmal tragen.
Ein etappenweiser Aufbau kann helfen, die finanzielle Belastung besser zu verteilen und das Thema alltagstauglicher anzugehen.

Über die Untersuchung

Die DKB hat die BBK-Checkliste zur Notfallvorsorge für eine Person über zehn Tage ausgewertet. Grundlage waren die in der Checkliste genannten Produktgruppen und empfohlenen Mengen. Die Preise wurden im April 2026 erhoben. Für die Preisermittlung wurden je nach Kategorie verschiedene Anbieter herangezogen: Für Lebensmittel und Getränke waren das Rewe, Amazon Fresh, Flink und Kaufland, für Frischobst Rewe, Amazon Fresh und Flink. Für die Hausapotheke wurden Preise von Shop Apotheke, DocMorris und mycare berücksichtigt, für Hygieneprodukte von dm, Rossmann und Müller. Im Bereich Energie und Campingtoilette wurden Bauhaus, Obi, Hornbach, Decathlon, Globetrotter und Amazon einbezogen. Für ergänzende Vorsorgeartikel sowie Brandschutz wurden Preise von Bauhaus, Obi und Hornbach erhoben.
Pro Produkt wurden mindestens drei Preise bei unterschiedlichen Anbietern erfasst und daraus ein arithmetischer Mittelwert gebildet. Bei drei Produkten konnte nur bei zwei Anbietern das Produkt gefunden werden. Da insbesondere in den Kategorien Lebensmittel und Getränke sowie Energie und Campingtoilette nicht jedes Produkt bei allen berücksichtigten Anbietern verfügbar war, wurde nicht mit identischen Shops pro Produkt gearbeitet.
Bei Lebensmitteln, Getränken und Frischobst wurden die Durchschnittspreise mit den vom BBK empfohlenen Mengen für eine Person über zehn Tage verrechnet. Für Hausapotheke, Hygiene, Energie, Brandschutz und ergänzende Ausstattung wurde jeweils der Durchschnittspreis des erfassten Standardprodukts angesetzt. Kalkuliert wurde eine vollständige Neuanschaffung aller berücksichtigten Produkte.
Zur finanziellen Einordnung wurden zwei Bundesbank-Veröffentlichungen herangezogen: Laut der Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2023“ halten Befragte, die Bargeldreserven aufbewahren, im Durchschnitt 1.417 Euro zusätzliches Bargeld zu Hause. Für die Einordnung des Giroguthabens wurde die Bundesbank-Publikation „Vermögen und Finanzen privater Haushalte in Deutschland: Ergebnis der Vermögensbefragung 2023” herangezogen; auf dieser Basis wurde ein Median-Giroguthaben von 3.000 Euro verwendet.