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Cash-Index-Analyse: Bargeldverfügbarkeit in Deutschland

Laut des jüngsten Berichts der Bundesbank ist die Zahl der Geldautomaten in Deutschland seit 2018 von rund 59.000 auf unter 50.000 im Jahr 2024 gesunken. Gleichzeitig bieten immer mehr Supermärkte, Discounter oder Drogerien einen unkomplizierten Bargeldservice direkt an der Kasse an. Doch welche Anlaufstelle ist häufiger verfügbar, wenn man kurzfristig Bargeld benötigt? Unsere deutschlandweite Analyse liefert erstmals einen umfassenden Überblick über die Bargeldversorgung in den 30 größten Städten sowie in den Bundesländern.

Januar 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Einzelhandel als wichtige ergänzende Bargeldquelle: Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice stellen in Großstädten inzwischen häufiger verfügbare Abhebemöglichkeiten dar als klassische Geldautomaten und Bankfilialen.

  • Starke regionale Unterschiede beim Cash-Index: Aachen weist die höchste, Duisburg die geringste Bargeldverfügbarkeit auf.

  • Höchste Dichte an Bargeldservices im Einzelhandel in Chemnitz: Dort gibt es die meisten Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice.

  • Höchste Differenz in Dortmund, Hannover und Chemnitz: Hier zeigt die Anzahl von ATMs und Einzelhandelsfilialen deutliche regionale Unterschiede.

  • Cash-Index: Durch die Gesamtzahl an kombinierten Bargeldabhebemöglichkeiten bleibt die Bargeldversorgung trotz rückläufigem Bestand an Geldautomaten auf einem vergleichbaren Niveau.

1. Was ist der Cash-Index?

Der Cash-Index gibt an, wie gut die 30 größten Städte Deutschlands sowie die Bundesländer mit Möglichkeiten zur Bargeldabhebung versorgt sind. Er setzt sich aus der Anzahl aller klassischen Geldautomaten und Bankfilialen (ATMs) sowie aller untersuchten stationären Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice zusammen – jeweils berechnet pro 10.000 Einwohner*innen. Je höher der Index, desto mehr Anlaufstellen stehen zur Verfügung.
Da öffentlich nicht für jede Bankfiliale die Anzahl der tatsächlich verfügbaren Automaten einsehbar ist, wurde jede Bankfiliale der Kategorie ‚ATM‘ zugeordnet. Ziel ist nicht die exakte Abbildung der Automatenzahl, sondern eine einheitliche, vergleichbare Annäherung an klassische Bargeldanlaufstellen.

2. Geldautomat oder Einzelhandel: Wo ist die Bargeldverfügbarkeit am höchsten?

In deutschen Großstädten liegt nach unserem Cash-Index die Standortdichte von Einzelhandelsfilialen (Supermärkte, Discounter, Drogerien und Baumärkte) mit Bargeldservice mit 3,4 Filialen pro 10.000 Einwohner*innen leicht über der Anzahl von Geldautomaten und Bankfilialen (3,0 je 10.000 Einwohner*innen).

3. Welche Stadt bietet die höchste Verfügbarkeit von Bargeldservice an der Kasse?

Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Städten:
  • Chemnitz bietet mit 4,64 Einzelhandelsfilialen pro 10.000 Einwohner*innen die bundesweit höchste Dichte an Bargeldservices.

  • Dahinter folgen Braunschweig (3,99) und Hannover (3,93).

  • Besonders gering ist das Angebot in Karlsruhe (2,65), Stuttgart (2,74) und Bielefeld (2,83).

Daten: Einzelhandel-Index in deutschen Großstädten
Die Tabelle zeigt die Anzahl von Einzelhandelsgeschäften mit Bargeldservice je 10.000 Einwohner*innen in den 30 größten Städten Deutschlands.
Horizontales Balkendiagramm mit dem Titel ‚Einzelhandel-Index‘, das ausgewählte deutsche Städte nach absteigenden Indexwerten sortiert darstellt. Chemnitz führt mit 4,64, gefolgt von Braunschweig (3,99), Hannover (3,93), Kiel (3,80), Bonn (3,65), Hamburg (3,60), Nürnberg (3,59), München (3,54), Dresden (3,49), Köln (3,47), Münster und Düsseldorf (je 3,44), Mönchengladbach (3,41), Dortmund (3,38), Wiesbaden (3,36), Augsburg (3,35), Berlin (3,33), Mannheim (3,27), Bremen und Essen (je 3,24), Gelsenkirchen (3,21), Aachen (3,16), Leipzig (3,12), Frankfurt am Main (3,10), Bochum (3,09), Wuppertal (2,96), Duisburg (2,89), Bielefeld (2,83), Stuttgart (2,74) und Karlsruhe (2,65). Der Durchschnitt aller Städte beträgt 3,4.

4. Welche Stadt verfügt über die höchste Dichte an Geldautomaten und Bankfilialen?

Bei der Anzahl der klassischen ATMs geht die Spannweite noch deutlicher auseinander:
  • Aachen liegt mit 4,57 ATMs je 10.000 Einwohner*innen an der Spitze des Städtevergleichs.

  • Auf den Plätzen zwei und drei liegen Karlsruhe (3,95) und Berlin (3,52).

  • In den Top-3-Städten übersteigt das ATM-Angebot die Verfügbarkeit von Bargeld in Shops.

  • Duisburg, Dortmund und Wuppertal bilden das Schlusslicht mit 1,43 und 1,66 bzw. 2,23 Möglichkeiten zur Bargeldabhebung an klassischen ATMs.

Daten: ATM-Index in deutschen Großstädten
Die Tabelle zeigt die Anzahl von Geldautomaten und Bankfilialen je 10.000 Einwohner*innen in den 30 größten Städten Deutschlands.
Horizontales Balkendiagramm mit dem Titel ‚ATM-Index‘, das ausgewählte deutsche Städte nach absteigenden Indexwerten sortiert darstellt. Aachen führt mit 4,57, gefolgt von Karlsruhe (3,95), Berlin (3,52), München (3,47), Augsburg (3,45), Dresden (3,35), Köln (3,33), Bielefeld (3,26), Bochum (3,23), Bremen und Frankfurt am Main (je 3,12), Hamburg (3,08), Mannheim (3,05), Bonn (3,03), Chemnitz (3,01), Stuttgart (2,92), Braunschweig (2,89), Münster (2,82), Düsseldorf (2,76), Kiel (2,57), Leipzig (2,53), Nürnberg (2,51), Mönchengladbach (2,40), Wiesbaden (2,35), Hannover (2,26), Essen und Gelsenkirchen (je 2,24), Wuppertal (2,23), Dortmund (1,66) und Duisburg (1,43). Der Durchschnitt aller Städte beträgt 3,0.

5. Cash-Index im Städtevergleich

Zählt man sämtliche Möglichkeiten zusammen, gibt es in den deutschen Großstädten durchschnittlich 6,4 Optionen pro 10.000 Einwohner*innen.
Die Top 3:
1. Aachen - 7,73
2. Chemnitz - 7,65
3. München - 7,04
Auch weitere große Städte wie Berlin (4. Platz, 6,89), Köln (8. Platz, 6,80) und Hamburg (10. Platz, 6,71) liegen im oberen Bereich des Rankings.
Daten: Cash-Index in deutschen Großstädten
Die Tabelle zeigt die Anzahl von Möglichkeiten des Bargeldbezugs je 10.000 Einwohner*innen in den 30 größten Städten Deutschlands.
Horizontales Balkendiagramm mit dem Titel ‚Cash-Index‘, das ausgewählte deutsche Städte nach absteigenden Indexwerten sortiert darstellt. Aachen führt mit 7,73, gefolgt von Chemnitz (7,65), München (7,04), Berlin (6,89), Braunschweig (6,88), Dresden (6,83), Augsburg (6,81), Köln (6,80), Bonn (6,71), Hamburg (6,71), Karlsruhe (6,67), Münster (6,42), Kiel (6,37), Bremen und Bochum (je 6,36), Mannheim (6,35), Frankfurt am Main (6,28), Düsseldorf (6,21), Nürnberg (6,10), Bielefeld und Hannover (je 6,09), Mönchengladbach (5,80), Wiesbaden (5,71), Stuttgart (5,70), Leipzig (5,67), Essen (5,48), Gelsenkirchen (5,45), Wuppertal (5,25), Dortmund (5,04) und Duisburg (4,32). Der Durchschnitt aller Städte beträgt 6,4.

6. Wo liegen die höchsten Abweichungen von Einzelhandel- und ATM-Index?

Wie stark die Versorgung schwanken kann, zeigt das Beispiel Dortmund:
Hier stehen 3,38 Geschäften mit Bargeldservice nur 1,66 klassische ATMs gegenüber. Die Differenz ist außerdem in Hannover und Chemnitz am höchsten.
Die Tabelle zeigt die Differenz des jeweiligen ATM-Index und Einzelhandel-Index in den 30 größten Städten Deutschlands.
Daten: Differenz von Einzelhandel- und ATM-Index in Großstädten
Horizontales Balkendiagramm in Tabellenform mit der Überschrift ‚Differenz ATM- und Einzelhandel-Index‘. Dargestellt sind deutsche Großstädte mit jeweils einem Balken und einem Zahlenwert, der die Differenz zwischen ATM-Index und Einzelhandel-Index abbildet. Die Werte reichen von deutlich negativen bis zu positiven Abweichungen und sind entlang einer Null-Linie angeordnet. Die Städte sind nach Höhe der Differenz sortiert.
Insgesamt übertrifft das Angebot an Geldautomaten nur in acht der 30 Großstädte das Niveau der Einzelhandelsfilialen.

7. Cash-Index im Bundesländer-Vergleich

Der Trend aus den Städten setzt sich auf Länderebene fort:
Im Durchschnitt gibt es pro 10.000 Einwohner*innen 3,8 Geschäfte mit Bargeldservice – aber nur 3,3 ATMs. Im Bundesländer-Vergleich weisen insbesondere mehrere ostdeutsche Bundesländer eine höhere Bargeldverfügbarkeit auf.
Die höchste Dichte an Geschäften bieten:
  • Mecklenburg-Vorpommern – 5,53

  • Sachsen-Anhalt – 4,82

  • Brandenburg – 4,45

Den niedrigsten Bargeldservice im Einzelhandel gibt es in:
  • Bremen – 3,26

  • Berlin – 3,33

  • Nordrhein-Westfalen – 3,35

  • Bei den ATMs führt Bayern (3,95), Schlusslicht ist Brandenburg (2,63).

Ausnahmen bestätigen die Regel: In Berlin und Baden-Württemberg übersteigt die Anzahl der ATMs die Zahl der Geschäfte mit Bargeldservice. Die Hauptstadt zeigt im Bundesländer-Vergleich zudem den zweitgeringsten Einzelhandel-Index. Im Bundesländer-Mittel stehen Verbraucher*innen 7,0 Möglichkeiten zur Bargeldabhebung je 10.000 Einwohner*innen zur Verfügung.
Daten: Cash-Index nach Bundesländern
Die Tabelle zeigt die Anzahl von Möglichkeiten des Bargeldbezugs je 10.000 Einwohner*innen in allen deutschen Bundesländern.
Horizontales Balkendiagramm, das den Cash-Index für die deutschen Bundesländer darstellt. Mecklenburg-Vorpommern führt mit 9,02, gefolgt von Sachsen-Anhalt (8,08), Bayern (8,02), Schleswig-Holstein (7,37), Baden-Württemberg (7,26), Brandenburg (7,10), Niedersachsen (7,05), Thüringen (7,03), Rheinland-Pfalz (6,94), Sachsen (6,90), Berlin (6,89), Hessen (6,80), Hamburg (6,70), Saarland (6,59), Bremen (6,28) und Nordrhein-Westfalen (6,04). Der Durchschnitt aller Bundesländer beträgt 7,0.
Rechnerisch trägt das Angebot des Einzelhandels dazu bei, die rückläufige Anzahl an Geldautomaten zu ergänzen. Daraus ergibt sich, dass im Einzelhandel aktuell mehr potenzielle Bargeldabhebungsstellen zur Verfügung stehen als an klassischen Bank- und Geldautomatenstandorten.

8. Über die Untersuchung

Im Rahmen der Analyse wurden die Anzahl an Bankfilialen und Geldautomaten sowie an Einzelhandelsfilialen, in denen Bargeldabhebungen an der Kasse angeboten werden, ermittelt und verglichen. Die Daten wurden über OpenStreetMap (OSM) am 10. November 2025 für die Bundesrepublik Deutschland extrahiert. Die rohen OSM-Daten wurden in eine PostgreSQL-Datenbank integriert und anschließend weiterverarbeitet. Bei den Daten handelt es sich um eine Approximation der tatsächlichen Infrastruktur, die von staatlichen Angaben abweichen kann. Untersucht wurden dabei die 30 einwohnerstärksten Städte sowie alle Bundesländer Deutschlands. Unter der Kategorisierung „ATMs“ wurden Bankfilialen und freistehende Geldautomaten sowie solche in Tankstellen und Poststellen gezählt.
Für die Einzelhandelsgeschäfte wurde die Anzahl sämtlicher Filialen der folgenden 23 Unternehmen ermittelt: Aldi Nord, Aldi Süd, Budni, Denns Biomarkt, dm, Edeka, familia Nordost, Globus Baumarkt, Globus Markthallen, Kaufland, Lidl, Markant, Marktkauf, Müller, Netto (mit Hund), Netto Marken-Discount (ohne Hund), Norma, NP-Discount, Obi, Penny, Rewe, Rossmann, toom Baumarkt. Die Auswahl erfolgte auf Basis einer Untersuchung der Stiftung Warentest 04/2025, in der die Möglichkeit zur Bargeldabhebung abgefragt wurde.
Die Untersuchung ist als Infrastrukturvergleich angelegt und bewertet weder einzelne Banken noch konkrete Zahlungsprodukte. Wenn ein Einzelhandelsunternehmen einen Bargeldservice anbietet, gilt das in der Regel für sämtliche Filialen. Ausnahmen bilden etwa Rewe, Rossmann und Denns Biomarkt. Hier steht nicht in jeder einzelnen Filiale jeweils ein Bargeldservice zur Verfügung. Da öffentlich keine filialspezifischen Daten vorliegen, wurden alle Standorte dieser Unternehmen als potenzielle Bargeldabhebungsstellen gezählt. Dies kann lokal zu Überschätzungen führen, verändert jedoch nicht die relative Vergleichbarkeit auf Stadt- und Länderebene. Der Fokus der Untersuchung liegt auf relativen Unterschieden zwischen Regionen, nicht auf der exakten Abbildung einzelner Standorte.