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Die 3 großen Mythen rund um Stadtwerke und Finanzen

Stadtwerken geht es besser als viele denken

Autor: Dustin Heinrich, Leiter Geschäftsfeld Energie und Versorgung
Erschienen: ZfK Zeitung für kommunale Wirtschaft
Datum: 11. November 2019

Müssen Stadtwerke immer wieder defizitäre Aufgaben übernehmen? Investieren sie vor allem mit Fremdkapital? Und müssen sie den gerade erwirtschafteten Gewinn sofort an ihre Anteilseigner abgeben? Die Deutsche Kreditbank (DKB) hat gängige Mythen rund um Stadtwerke und deren Finanzen auf den Prüfstand gestellt. Seit 2012 analysieren wir jährlich die Bilanzen von 350 operativ tätigen Stadtwerken im DKB-Stadtwerkevergleich. Die neuesten Ergebnisse räumen mit einigen Legenden auf.

Mythos Nr. 1: Kommunale Anteilseigner fordern hohe Ausschüttungen

Diese Einschätzung stimmt so nicht. Unsere Untersuchung zeigt, dass vollständig kommunal gehaltene Stadtwerke im Durchschnitt deutlich geringere Ausschüttungsquoten (2017: 37,93 Prozent) als Stadtwerke mit privaten Minderheitsgesellschaftern (2017: 81,1 Prozent) aufweisen.

Auf den ersten Blick erscheint es überraschend, dass vollständig kommunale Stadtwerke anteilig weniger Gewinn an ihre Anteilseigner ausschütten. Dies liegt jedoch nach unserer Ansicht meist daran, dass viele dieser Stadtwerke in der Regel auch den Betrieb von klassisch defizitären Sparten übernehmen (mehr dazu bei Mythos Nr. 3). Durch die geringeren Ausschüttungen stehen die einbehaltenen Gelder für Investitionen bereit und erhöhen die Eigenkapitalquote der kommunalen Stadtwerke.

Ausschüttungsquoten (Medianwerte)

Abbildung 1: Ausschüttungsquoten (Medianwerte); Quelle: DKB-Stadtwerkevergleich

Mythos Nr. 2: Stadtwerke investieren vor allem mit Fremdkapital

Stadtwerke versorgen Bürger in Städten und Kommunen mit Strom, Gas und Wasser. Das erfordert Investitionen in die jeweiligen Netze, die langfristig im Anlagevermögen des Unternehmens verbleiben. Zur Gegenfinanzierung sind eine ausreichende Abdeckung mit Eigenkapital sowie fristenkongruente Tilgungsstrukturen in der Finanzplanung wichtig.

Der DKB-Stadtwerkevergleich zeigt: Diese Abdeckung wird auf breiter Fläche gewährleistet. Der Median der Eigenkapitalquote lag 2017 bei 40,8 Prozent. Lediglich ein Viertel der untersuchten Stadtwerke hatten eine Eigenkapitalquote unter 33,4 Prozent, nur jedes zehnte Stadtwerk unter 25 Prozent. Viele kommunale Unternehmen orientieren sich bei ihrer eigenen Eigenkapitalausstattung auch an regulatorischen Richtwerten wie der Anreizrgulierung. Daraus leiten sie eigene Zielwerte für Finanzkennzahlen ab. Die Eigenkapitalausstattung nimmt aus Sicht einer Bank eine hohe Bedeutung in der Bonitätsanalyse des Stadtwerks ein. Insgesamt ist die Eigenkapitalausstattung der ausgewerteten Unternehmen flächendeckend als gut zu bewerten.

Die Finanzverbindlichkeitenquote lag in den untersuchten Jahren unterhalb der Quote des eingesetzten Eigenkapitals (2017: 27,1 Prozent), wobei in den aktuell ausgewerteten Jahresabschlüssen eine leicht steigende Tendenz erkennbar ist. Die Auffassung, dass Stadtwerke vor allem mit Bankkrediten investieren würden, stimmt dennoch nicht. Der Anstieg der Finanzverbindlichkeitenquote in 2018 resultiert derzeit aus einer zu geringen statistischen Vergleichsgrundlage. Aktuell entspricht die Anzahl der ausgewerteten Bilanzen ungefähr einem Stand von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daher kann eine endgültige Einschätzung der Kennzahl erst im weiteren Jahresverlauf getroffen werden.

Eigenkapital- und Finanzverbindlichkeitenquote (Medianwerte)

Abbildung 2: Eigenkapital- und Finanzverbindlichkeitenquote (Medianwerte); Quelle: DKB-Stadtwerkevergleich

Mythos Nr. 3: Stadtwerke erhalten von ihren Gesellschaftern defizitäre Aufgaben

Ein klassisches Beispiel für eine defizitäre Aufgabe ist der Betrieb eines kommunalen Schwimmbads. Gleiches gilt für den öffentlichen Personennahverkehr. Beide Aufgaben sind in den meisten Fällen zwar hochdefizitär, müssen aber dennoch erbracht werden, um die Lebensqualität von Städten und Kommunen zu erhalten. Viele Kommunen übergeben solche Aufgaben der Daseinsvorsorge und damit teilweise auch defizitäre Geschäftsfelder an ihre Stadtwerke. Um die finanzielle Last zu mindern, werden die Verluste aus solchen Aufgaben in vielen Fällen durch die Erträge in den Energiesparten ausgeglichen.

Der DKB-Stadtwerkevergleich zeigt: Stadt­werke mit privater Beteiligung betreiben in der Regel weniger und insbesondere die pro­fitableren Sparten wie die Versorgung mit Strom, Gas und Fernwärme. Als Folge lässt sich für diese Unternehmen eine signifikant höhere Umsatzrendite feststellen. 2017 lag der Median für diese Stadtwerke bei 7,55 Prozent, bei vollständig kommunalen Ver­sorgungsunternehmen bei 4,1 Prozent. Da die Ausschüttungsquote bei den Stadtwerken mit privaten Gesellschaftern jedoch eben­falls deutlich höher ausfällt, ist die Eigen­kapitalquote in beiden Vergleichsgruppen auf einem ähnlichen Niveau. Das Vorurteil stimmt also nur bei vollständig kommu­nalen Stadtwerken. Natürlich gibt es in der heterogenen Stadtwerkelandschaft auch Ausnahmen.

Fazit: Stadtwerke sind wirtschaftlich gut aufgestellt

Die überwiegende Mehrheit der Stadtwerke in Deutschland ist wirtschaftlich gut aufgestellt und agiert aus einer Position der Stärke heraus. Die gute Bilanz vieler Stadtwerke hängt auch mit der allgemein guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland der letzten Jahre sowie mit der Bereitschaft der meisten Kommunen zur Unterstützung ihrer Stadtwerke zusammen. Dennoch sind die Herausforderungen für die Branche immens – ein hoher Wettbewerb im Energiemarkt schmälert die Vertriebsmargen, der Fachkräftemangel macht sich bemerkbar und die Anforderungen der Digitalisierung müssen bewältigt werden. Weiterhin suchen viele Stadtwerke neue Einnahmequellen und Geschäftsmodelle, um auch weiterhin den Ansprüchen der Bürger und der Gesellschafter gerecht zu werden.

Natürlich spiegeln die Ergebnisse der Untersuchung nur einen Blick in die Vergangenheit wider. Bei einer Eintrübung der wirtschaftlichen Gesamtsituation in Deutschland wird insbesondere die Unterstützung durch die Gesellschafter ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Versorger sein. Außerdem spielt mittelfristig auch die vom EuGH eingeforderte Entscheidung zur steuerlich begünstigten Quersubventionierung in Stadtwerkekonzernen eine wesentliche Rolle.

Berechnungsgrundlage

Eigenkapitalquote:
(wirtschaftliches Eigenkapital – Unterbilanz) / Bilanzsumme

Ausschüttungsquote:
vorgesehene Ausschüttungen / Jahresergebnis nach Steuern

Umsatzrendite:
Betriebsergebnis / Gesamtleistung

Finanzverbindlichkeitenquote:
Finanzverbindlichkeiten / Bilanzsumme


Unsere Services für Stadtwerke

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