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Bezahlbarer Boden in Bauernhand

Wolfgang Jaeger hat gemeinsam mit 11 Landwirten 5.500 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche gekauft und damit einen echten Coup für Mecklenburg-Vorpommern gelandet. Trotz Eigenkapitalschwäche der einheimischen Betriebe ist der Boden nun sicher in der Hand der Landwirte.

Das Berufsleben von Wolfgang Jaeger ist eng mit der Landwirtschaft verbunden. Nach seiner Berufsausbildung als Melker mit Abitur und Studium zum Diplomlandwirt begann er 1968 in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Penzlin (MV) seine Laufbahn in der Landwirtschaft. Bis 1990 leitete Jaeger die LPG Tierproduktion Mallin (MV) und widmete sich ab 1990 dem Aufbau einer berufsständischen Interessenvertretung. Er war Gründungsmitglied des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern e.V. und führte diesen als Hauptgeschäftsführer bis 2005. Kurz vor dem wohlverdienten Ruhestand, mit 62 Jahren, wagte Wolfgang Jaeger dann ein außergewöhnliches Projekt und den Schritt in die Selbständigkeit: Er gründete die Bodenfonds GmbH & Co KG um den landwirtschaftlichen Grund und Boden für die praktizierenden Landwirte zu sichern. Dabei hatte er anfangs weder die Politiker noch das Land, geschweige denn die Banken auf seiner Seite. Denn, die bundeseigenen Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG) wollte ihre Flächen an den Meistbietenden verkaufen. Einzelne Landwirte hätten da keine Chance.

Wolfgang Jaeger stand fast sein ganzes Leben im Dienste der Landwirtschaft. Es ist seiner Weitsicht und seiner Hartnäckigkeit zu verdanken, dass die Pächter im Bodenfonds heute 240 Euro pro Hektar zahlen – statt der aktuell gehandelten Pachtpreise zwischen 400 und 840 Euro. Aber wie funktioniert er nun, dieser in Deutschland bisher einmalige Bodenfonds? Daran beteiligt sind 11 Landwirte, die wiederum mit ihren Flächen an 30 Betrieben beteiligt sind. Gemeinsam kauften die Landwirte 2006 ein Flächen-Paket von 5.456 Hektar bei der BVVG (Bundeseigene Bodenverwertungs-und verwaltungsgesellschaft). Diese hatte klare, auf Höchstpreise orientierte Vorgaben zu erfüllen. Die ansässigen Landwirte aber benötigten ihr Kapital vor allem um auf dem Boden zu investieren (Saatgut, Maschienen usw.), um im Wettbewerb bestehen zu können. Es galt Banken zu gewinnen, die das Projekt begleiten wollten: "Nur durch die Bereitschaft der DKB, eine 100% Finanzierung zu vereinbaren, wurde das Model praxistauglich, dass auf Vertrauen gegründet und deshalb erfolgreich wurde", erklärt Wolfgang Jaeger.

Durch den Zusammenschluss im Bodenfonds, mussten die Landwirte selbst zum Zeitpunkt des Flächenkaufs keine eigenen Finanzmittel aufwenden. Der gemeinsame Bodenfonds kaufte die Flächen und galt als Kreditnehmer gegenüber der Bank, die den Kauf finanzierte. Damit war der Boden in einheimischer Hand und sicher vor Bodenspekulation. Erst nach 15 Jahren, wenn die Eigenkapitaldecke kräftig genug ist, kaufen die Landwirte ihre Flächen vom Bodenfonds – und zwar zum Festpreis aus den damaligen Gutachten. Bis dahin verwendet der Bodenfonds die Pachtzahlungen der Betriebe zur Kredit-Tilgung.

“Der Bodenfonds ist in seiner Einmaligkeit eine Erfolgsstory, die angesichts heutiger Ackerpreise unsere einheimische Landwirtschaft in ihrer Wirtschaftlichkeit gestärkt hat aber leider in ihrer Weiterführung durch die BVVG ausgebremst wurde. Für die beteiligten Landwirte bedanke ich mich bei allen Partnern, die zum Erfolg beigetragen haben.”

Wolfgang Jaeger, Initiator und Geschäftsführer a.D. der Bodenfonds I GmbH & Co KG