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Schlaflose Nächte – der Bildung zuliebe

1995 war ein risikoreiches Jahr für Dr. Irene Petrovic-Wettstädt. Die Lehrerin erkannte ihre Chance, als im brandenburgischen Nauen Gymnasialplätze fehlten. Sie gründete ein freies Gymnasium, das Schüler zu individuellen Persönlichkeiten formt und theoretisches Wissen durch viele praktische Erfahrungen ergänzt. Mit jedem neuen Schuljahr wuchsen Nachfrage und Kapazitäten. Heute lernen auf dem Leonardo da Vinci Campus 1.000 Schüler und Kita-Kinder.

Dr. Irene Petrovic-Wettstädt erinnert sich noch heute an so manche Nacht, in der ihr das große finanzielle Risiko den Schlaf raubte. Vorbei waren die sicheren Zeiten als wissenschaftliche Assistentin an der Humboldt-Universität, als Deutsch-Lektorin im Ausland oder als Referentin im Brandenburger Landtag. Die studierte Lehrerin, die nach der Universität der Wissenschaft treu blieb, hatte sich plötzlich doch in den Schulbetrieb gewagt – aber nicht als Lehrerin, sondern als Gründerin, die noch jede Menge Überzeugungsarbeit vor sich hatte. Freie Schulen passten in den 90er Jahren so gar nicht in die Bildungslandschaft der neuen Bundesländer. Mit dem Gedanken, für die Bildung ihrer Kinder Schulgeld zu zahlen, mussten sich die Menschen in Nauen und Umgebung erst anfreunden. Trotzdem hatte das neu gegründete freie Gymnasium eine Chance. Denn in der Region fehlten Gymnasial-Plätze. Und so ließen sich die Eltern von 45 Schülern auf das Abenteuer ein.

Seit dem hat die gemeinnützige GmbH 12 Millionen Euro investiert und Gelände sowie Betreuungsangebot massiv erweitert. Auf dem inzwischen 4,5 Hektar großen Areal gibt es eine Grundschule, eine Gesamtschule, ein Gymnasium, eine Bibliothek, einen Sportplatz, eine Sternwarte, ein Internat, einen Hort und eine Kita. Mittags, wenn die Kleinen zur Ruhe kommen sollen, sind die Großen gefragt. In der Kita steht dann die tägliche Geschichte auf dem Programm. Eine von Schülern gegründete "Leitbildgruppe" liest den Kleinsten vor. Die lauschen gespannt und hier und da fallen die ersten Äuglein zu. Soziales Miteinander steht auf dem Leonardo da Vinci Campus im Mittelpunkt. Gesellschaftliches Engagement und das Ermutigen zu individueller Persönlichkeit bilden die Grundlage für alle Bildung, die Kinder und Schüler hier erfahren. Die Netzwerke „Blick über den Zaun“, „Club of Rome“ und „Schule ohne Rassismus“ sind Aushängeschilder für den Campus, aber auch Anreiz für viele Projekte. Eine Lehrküche, ein Schulgarten, regelmäßige Besuche in Seniorenheimen oder das Entwickeln von Audioguides für historische Orte der Region belegen die Vielfalt, in der die Schüler ihre eigenen Interessen finden und fördern können. Die Schul-Laufbahnen ermöglichen eine frühzeitige Berufs- und Studienorientierung. Zum International Baccalaureate (ein zweisprachiges internationales Abitur) gesellen sich Oberschul- oder Gymnasial-Abschlüsse in den Bereichen Medien und Kommunikation, Wirtschaft und Nachhaltigkeit sowie Luft- und Raumfahrt. Als Partnerschule der Technischen Universität Berlin und der Technischen Fachhochschule Wildau kommen die Schüler schon früh mit praktischen Anwendungen in Berührung. Entgegen aller Vorurteile ist die Schülerschaft auf dem Campus keineswegs elitär. Stattdessen zeigt das Konzept, was möglich ist, wenn das Lernumfeld stimmt.

“Diese fantastische Entwicklung war nicht vorauszusehen, als wir 1993 anfingen, über Pädagogik zu diskutieren. Meinen Mitgesellschaftern Rolf Wettstädt, Dr. Martin Müller, Jürgen Vollmer, Prof. Karla Horstmann-Hegel und Dr. Ralf-Dietmar Hegel möchte ich danke sagen. Die Unterstützung, die wir für die umfassende Campus-Erweiterung brauchten, haben wir bei der DKB gefunden. Herzlichen Dank dafür.”

Dr. Irene Petrovic-Wettstädt, Geschäftsführende Gesellschafterin der Da-Vinci-Campus Nauen gGmbH

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