Anmelden

Aus Poliklinik mach‘ Ärztehaus

1990 standen die Polikliniken vor dem Aus. Zu sehr erinnerten die Häuser an das alte DDR-Regime. Zu hoch waren die Kosten für die Kommunen. Die Ärzte wollten bleiben, doch fehlte es ihnen an Eigenkapital und Gründungs-Knowhow. Gernot Kunzemann ist kein Mediziner. Aber er kennt sich mit Zahlen aus. In Neubrandenburg machte er die Ärzte fit für die Selbstständigkeit. 1992 kauften 25 von ihnen die ehemalige Poliklinik. Heute ist sie eines der größten Ärztehäuser Deutschlands und Vorreiter für viele Zentren in Ost und West.

Gernot Kunzemann war der Mann der ersten Stunde. Und er ist es bis heute. Wenn Praxis-Mitarbeiter und Ärzte am Morgen das Haus betreten, ist er meist schon da. Auch am Ende eines Tages ist er oft der letzte, der das Haus wieder verlässt. Seit mehr als 20 Jahren leitet er die kaufmännischen Geschicke des Neubrandenburger Ärztehauses in Mecklenburg-Vorpommern. Dass es ihn in die Medizin verschlagen hat, ist trotzdem kurios. Gelernt hat er den Imker-Beruf, später Tierzucht, Agrarwissenschaften und tropische Landwirtschaft studiert. Als ihn die Ärzte Anfang der 90er Jahre um Hilfe baten, arbeitete er als Angestellter beim Finanzamt. Mit Medizin hatte er bis dahin nichts am Hut. Aber er war einer, der sich für den Austausch zwischen den Fachärzten begeistern konnte. Er erkannte das Potenzial und die Notwendigkeit, diese Voraussetzungen nutzen zu müssen. Schließlich wollten auch die Ärzte miteinander weiterarbeiten. Also machte er sich an die Arbeit, fuchste sich rein in die Gesundheitsökonomie und überführte das DDR-System Poliklinik in ein privatrechtlich geführtes Ärztehaus. Mit allem, was dazu gehörte: Umbau und Modernisierung bei vollem Betrieb, Anschaffung von Geräten und Erweiterung des medizinischen Angebotes.

Inzwischen ist die Ärztezahl von damals 25 auf 43 angestiegen. Gernot Kunzemann managt eines der größten Ärztehäuser Deutschlands. Bis unters Dach ist das Versorgungszentrum voll mit medizinischem Fachpersonal – von der Allgemeinarzt-Praxis bis zum Reha-Zentrum, von der Zahnarzt-Praxis bis zum Operations-Zentrum. Regelmäßig machen sich Gast-Operateure auf den Weg in das OP-Zentrum des Ärztehauses. Kurze Wege für die medizinische Versorgung schaffen und erhalten – das treibt Gernot Kunzemann an. In ländlichen Regionen wie rings um Neubrandenburg wird das immer schwieriger. Deshalb gründete er gemeinsam mit anderen Ärztehäusern den Medizinischen Förderkreis. Dieser entwickelt innovative Lösungen für das Gesundheitswesen, sucht den Austausch mit anderen Regionen, leistet Ausbildungsunterstützung für die Ärzte und führt Studien durch, die die Gesundheitsversorgung kontinuierlich verbessern sollen. Dass der Zusammenschluss von unterschiedlichen medizinischen Disziplinen eine geeignete Lösung ist, zeigen ähnliche Gründungen in anderen Regionen. Viele junge Ärzte wünschen sich heute diese Art von Teamarbeit. Die Voraussetzungen für eine gute Gesundheitsversorgung in Neubrandenburg sind also geschaffen. Denn auch wenn sein Ärztehaus gut ausgelastet ist, sucht Gernot Kunzemann ständig nach Medizinern für plötzliche Vertretungsfälle oder für lange geplante Generationswechsel in den einzelnen Praxen. Es gibt viel zu tun – jeden Tag auf’s Neue.

“Die Ärzte hatten damals eine große Chance, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Ich bin dankbar dafür, dass ich diesen Prozess begleiten durfte, und freue mich immer wieder, wenn ich junge Ärzte für unser Team begeistern kann. Besonders möchte ich mich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit unserer Ärzte mit der Verwaltung bedanken. Es macht viel Freude, hier zu arbeiten.”

Gernot Kunzemann, Geschäftsführer der Verwaltungsgesellschaft ambulante Medizin GmbH

Nachricht schreiben