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Rentenlücke schließen: Wie viel solltest du fürs Alter zurücklegen?

Gehst du davon aus, dass deine gesetzliche Rente später ausreicht? Für viele entsteht im Alter die so genannte Rentenlücke – also ein Unterschied zwischen den laufenden Ausgaben und dem Geld, das im Ruhestand zur Verfügung steht. Wer früh plant, kann diese Lücke oft deutlich verkleinern. Wie du dieses Thema angehen kannst, erklärt dieser Artikel.

Juni 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut einer Faustregel brauchen Personen im Ruhestand etwa 80 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens, um ihren Lebensstandard zu halten.

  • Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das du im Ruhestand benötigst, und den Einnahmen, die dir im Alter tatsächlich zur Verfügung stehen.

  • Um die Rentenlücke zu schließen, kann es sinnvoll sein, frühzeitig Geld fürs Alter zurückzulegen.

Was ist mit Rentenlücke gemeint?

Die Rentenlücke beschreibt den Betrag, der im Ruhestand zwischen den verfügbaren Einnahmen und dem benötigten Einkommen fehlt. Um die Rentenlücke zu berechnen, werden häufig die erwartete Nettorente und das letzte Nettoeinkommen vor der Rente gegenübergestellt.

Beispiel

Renate, 46 Jahre alt, hat derzeit ein Nettoeinkommen von 2.000 Euro. Ihr Renteneintrittsalter liegt bei 67 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt erwartet sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung Zahlungen von 1.145 Euro im Monat. So entsteht eine Lücke von 855 Euro.

Allerdings verringern sich mit zunehmendem Alter auch Renates Kosten: Die Kinder stehen auf eigenen Füßen. Auch für Fahrten zur Arbeit und für ihre Altersvorsorge fallen nun keine Zahlungen mehr an.

Faustregel:

Bei Berechnungen zum Schließen der Rentenlücke wird häufig angenommen, dass Menschen im Ruhestand etwa 80 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens benötigen, um ihren Lebensstandard zu halten. Die Faustregel ist nur eine grobe Orientierung und hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Dazu zählt u. a. die Wohnsituation, anfallende Ausgaben für die eigene Gesundheit oder die Mobilität ebenso wie das Freizeitverhalten und ein eventueller Pflegebedarf.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Faustregel auf Renate zutrifft, bedeutet das: Ihr Bedarf liegt bei circa 1.600 Euro und ihr stehen 1.145 Euro im Monat zur Verfügung. Im Rentenalter fehlen ihr monatlich 455 Euro.
Um deine eigene Rentenlücke zu berechnen, solltest du eine Aufstellung deiner voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben im Alter vornehmen. Dazu findest du weiter unten eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Warum entsteht eine Rentenlücke?

Zur Rentenlücke kommt es, weil die gesetzliche Rente im Regelfall nur einen Teil des früheren Einkommens ersetzt. Ein geringes Einkommen, längere Teilzeit- oder Arbeitslosigkeitsphasen, eine Selbstständigkeit ohne Rentenversicherung oder ein früherer Renteneintritt mindern die Rente zusätzlich. Wer im Rentenalter beispielsweise viel reisen möchte, hat zudem entsprechend höhere Ausgaben.
Wie groß ist die Rentenlücke in Deutschland?
Der Vorsorgekompass 2026 zeigt, dass die durchschnittliche Rentenlücke derzeit bei etwa 160 Euro pro Monat liegt. Der Durchschnittswert hat jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft für einzelne Haushalte. Werfen wir also einen Blick auf die Details:
  • Laut Vorsorgekompass 2026 geben Ruhestandshaushalte im Durchschnitt 3.148 Euro pro Monat aus – etwa die Hälfte davon für Wohnkosten.

  • Dem stehen durchschnittliche laufende Einnahmen von 2.988 Euro gegenüber. So ergibt sich die erwähnte Lücke von 160 Euro im Monat. Sie wird häufig durch eigenes Vermögen ausgeglichen.

  • Allerdings werden nur etwa 60 Prozent der Ausgaben durch die gesetzlichen Versorgungssysteme gedeckt.

  • Ohne zusätzliche Vorsorge beträgt die durchschnittliche Versorgungslücke somit mehr als 1.000 Euro pro Monat.

Das bedeutet: Für viele Menschen reichen Rentenleistungen allein nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich frühzeitig mit möglichen Maßnahmen zur Altersvorsorge auseinanderzusetzen. Beruhigend dabei kann sein: Schon kleinere monatliche Beträge können langfristig einen Unterschied machen – besonders, wenn du früh damit beginnst.

Wie kann man die eigene Rentenlücke berechnen?

Für eine individuelle Berechnung der Rentenlücke müssen alle Einnahmen und Ausgaben zum Renteneintritt gegenübergestellt werden. Online-Rechner können dabei zwar unterstützen, jedoch immer nur mit pauschalen Angaben arbeiten. Eine genaue Berechnung umfasst fünf Schritte:
1. Renteninformation prüfen
2. Gesamteinkommen zum Rentenbeginn ermitteln
3. Ausgaben im Rentenalter realistisch erfassen
4. Steuern, Krankenversicherung und Pflegeversicherung einplanen
5. Rentenlücke berechnen
Auf dieser Basis kannst du eine genaue Planung erstellen, um deine Rentenlücke zu schließen.

Schritt 1: Wo findet man die Renteninformation?

Die Deutsche Rentenversicherung verschickt einmal jährlich eine Renteninformation an Versicherte, die mindestens 27 Jahre alt sind und Beitragszeiten von mindestens fünf Jahren erworben haben. Die Digitale Rentenübersicht hilft, online einen Überblick über gesetzliche, betriebliche und private Rentenansprüche zu gewinnen.
Deiner Renteninformation kannst du entnehmen, welche Rentenleistungen du erhalten wirst, wenn du weiterhin ähnlich hohe Beiträge einzahlst. Du findest darin auch unterschiedliche Szenarien zur Entwicklung deiner Altersrente.
Tipp: Die Entwicklung der Rente lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Es gibt zwar immer wieder Erhöhungen, laut aktuellen Prognosen wird die Erhöhung jedoch hinter dem zu erwartenden Lohnanstieg zurückbleiben. Bei der Planung kann es also hilfreich sein, auch konservative Annahmen zu berücksichtigen.

Schritt 2: Was gehört noch zum Gesamteinkommen im Alter?

Die folgenden Einnahmen sollten ebenfalls zu den Einkünften für die Rentenjahre gezählt werden (soweit vorhanden):
  • Einnahmen aus Lebensversicherungen

  • Riester- oder Rürup-Renten

  • Erträge aus dem Altersvorsorgedepot

  • betriebliche Vorsorge

  • privaten Sparpläne

  • Mieteinnahmen

  • Kapitalerträge

  • Entnahme von einem Sparkonto oder aus einem Portfolio

Schritt 3: Welche Ausgaben sind nach Rentenbeginn zu erwarten?

Ein guter Ausgangspunkt für die Berechnung der Ausgaben sind die Kontoauszüge der letzten Monate. Zusätzlich sollten (halb-)jährliche Beiträge zum Beispiel für Versicherungen beachtet werden.

Tipp: Mit der DKB-App hast du alle Kontenbewegungen mühelos im Blick.

Verschaffe dir zunächst einen Überblick über deine Finanzen. Sobald du den aktuellen Stand kennst, ziehst du Ausgaben ab, die nach Renteneintritt nicht mehr anfallen, zum Beispiel:
  • Arbeitsweg & Mobilität: Fahrten zur Arbeit, ÖPNV, Parkgebühren oder ein Zweitwagen

  • Wohnkosten (teilweise): Kosten für die eigene Immobilie, sofern sie bis zum Renteneintritt abbezahlt ist

  • Berufliche Kosten: Kleidung, Arbeitsmittel, Fachliteratur, Weiterbildung und Versicherungen

  • Verpflegung im Arbeitsalltag: Kantine, Snacks unterwegs oder Coffee-to-go

  • Vorsorge & Absicherung: Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und private Sparraten für die Altersvorsorge

Denke daran, eventuelle Schulden aufzulisten. Auch die Rate für den Aufbau eines Notgroschens, zum Beispiel mit dem Drei-Konten-Modell, zählt zu den Ausgaben. Wenn du größere Anschaffungen oder Reisen planst, berücksichtige auch dafür eine Sparquote.

Schritt 4: Wie hoch sind Steuern, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge?

Der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung liegt derzeit bei 14,6 Prozent der Bruttorente. Die tatsächliche Belastung kann sich durch Zusatzbeiträge und individuelle Faktoren unterscheiden. Dieser Beitrag – inklusive Zusatzbeitrag – wird von der Deutschen Rentenversicherung zur Hälfte bezuschusst. Sie trägt damit den sogenannten Arbeitgeberanteil.
Für die Pflegeversicherung fällt ein Beitrag in Höhe von 3,6 Prozent an. Diesen übernehmen Rentner*innen vollständig. Zudem ist ein Teil der Rente steuerpflichtig. Wie hoch die Besteuerung ausfällt, ist sowohl von der aktuellen Gesetzgebung als auch von den persönlichen Verhältnissen abhängig. Wichtig ist deshalb, immer mit der Netto-Rente zu rechnen.

Schritt 5: Wie groß ist die Rentenlücke?

Auf Basis der bisherigen Rechnungen kannst du nun einfach deine Rentenlücke ermitteln.

Beispiel:

Max, ebenfalls 46 Jahre alt, hat ein Nettoeinkommen von 2.500 Euro. Nach der 80-Prozent-Faustregel benötigt er zum Renteneintrittsalter 2.000 Euro, um seinen Lebensstandard zu halten. Sein Rentenanspruch liegt bei 1.410 Euro – ihm fehlen also 590 Euro im Monat. Da Max aber außerdem reisen möchte, setzt er seine Wunschrente auf 2.300 Euro fest. Das ergibt eine Rentenlücke von 890 Euro.

Tipp: Mit dem Online-Rechner des Deutschen Instituts für Altersvorsorge kannst du außerdem berechnen, wie die Inflation sich auf deine Rente auswirkt und wie viel Geld du monatlich – abhängig von der erwarteten Rendite – zurücklegen solltest.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Rentenlücke zu schließen?

Oft ist eine Kombination aus mehreren Strategien sinnvoll, um die Rentenlücke zu schließen: betriebliche Altersvorsorge, private Vorsorge, staatliche Förderungen, Schuldenabbau und eine realistische Planung der Ausgaben zur Lebenshaltung. Welche Strategie für dich sinnvoll ist, hängt davon ab, wie groß deine Rentenlücke ist, wie viel Zeit dir bis zum Rentenbeginn bleibt und welches finanzielle Risiko du bereit bist zu tragen.
Grundsätzlich kann ein früher Beginn beim Sparen dazu beitragen, stärker vom Zinseszinseffekt zu profitieren. So kann man auch mit kleineren Sparraten Vermögen aufbauen. Wer erst später startet, hat dennoch Möglichkeiten, die Rentenlücke zu schließen: durch höhere Sparraten, freiwillige Einzahlungen, zusätzliche Arbeitsjahre oder Reduzierung der Fixkosten.
Da eine betriebliche Altersvorsorge nicht allen zur Verfügung steht, fokussieren wir uns hier auf die private Vorsorge.

ETF- und Fondssparpläne

Historisch betrachtet konnten breit gestreute ETF-Sparpläne langfristig Renditen erzielen, die über den Zinsen auf einem Tagesgeldkonto oder Sparbuch liegen. Vergangene Entwicklungen sind jedoch keine Garantie für die Zukunft. Wertpapiersparpläne haben zudem den Vorteil, dass du aufgrund der monatlichen Einzahlungen – meist über viele Jahre – sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Kursen kaufst.
Ein Verlustrisiko bringt die Investition in Aktien, ETFs oder Fonds jedoch immer mit sich, weshalb sich Wertpapiersparpläne vor allem für lange Anlagehorizonte eignen können.
Auch das Tagesgeldkonto hat seinen Platz: Hier bringst du den risikofreien Teil deiner Geldanlage unter, insbesondere deinen Notgroschen.
Rechenbeispiel: Zinseszinseffekt
Kehren wir noch einmal zu Max (Jahrgang 1980, Renteneintritt mit 67 Jahren) zurück, der eine monatliche Rentenlücke von 890 Euro schließen möchte. Wenn er heute zu sparen beginnt, muss er laut dieser Beispielrechnung folgende Summe monatlich zurücklegen:
  • bei 2,5 % Zinsen: 1.000 Euro

  • bei 4,0 % Rendite: 844 Euro

  • bei 6,0 % Rendite: 673 Euro

Die Beispielrechnung zeigt, dass unterschiedliche Renditeannahmen einen erheblichen Einfluss auf die erforderliche monatliche Sparrate haben können. Wichtig: Die Rechnung ist eine Modellrechnung. Tatsächliche Ergebnisse können abweichen, weil Zinsen und Renditen nicht garantiert sind und auch Kosten, Steuern, Inflation und Lebenserwartung eine Rolle spielen. Höhere Renditechancen gehen in der Regel auch mit höheren Risiken einher.
Tipp: Beachte, dass du für einen soliden Entnahmeplan deine Lebenserwartung einbeziehen musst, damit das Geld reicht. Für Max haben wir (stark vereinfacht) rund 30 Jahre nach Rentenbeginn angenommen. Im Gegensatz dazu wird die gesetzliche Rente bis ans Lebensende gezahlt.

Rentenlücke schließen mit staatlich geförderten Vorsorgemodellen

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge wurde zuletzt grundlegend reformiert. Die klassische Riester-Rente kann zwar weiterhin für bestehende Verträge genutzt werden, ab 2027 wird sie für Neuabschlüsse jedoch schrittweise durch neue Vorsorgemodelle ersetzt. Geplant sind vor allem flexiblere und kostengünstigere Angebote wie das Altersvorsorgedepot, bei dem auch Investitionen in ETFs und Fonds möglich sind. Ziel der Reform ist es, höhere Renditechancen und einen einfacheren Zugang zur privaten Altersvorsorge zu schaffen. Im Gegenzug wurden die bisherigen Garantievorgaben gelockert.

Wie kann man die Rentenlücke schließen, wenn es zeitlich eng wird?

Auch wer kurz vor der Rente steht, kann die Versorgungslücke zumindest noch verkleinern. Dafür gibt es – neben einer höheren Sparrate – vor allem folgende Möglichkeiten:
  • Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung: Unter bestimmten Voraussetzungen sind zusätzliche Einzahlungen möglich, etwa um die Abschläge bei einer vorgezogenen Altersrente auszugleichen.

  • Länger arbeiten: Zusätzliche Arbeitsjahre können den Rentenanspruch erhöhen. Gleichzeitig muss angespartes Vermögen erst später angetastet werden.

  • Fixkosten reduzieren: z. B. Wohnkosten, Versicherungen, Abos lassen sich eventuell senken, sodass im Ruhestand weniger Einkommen benötigt wird.

Tipp: In dieser Situation kann eine unabhängige Beratung besonders hilfreich sein, zum Beispiel bei der Deutschen Rentenversicherung oder der Verbraucherzentrale.

7 typische Fehler rund um die Rentenlücke

Abschließend findest du hier eine Checkliste, mit der du die häufigsten Fehler vermeiden und dich souveräner um deine Rentenlücke kümmern kannst:
1. Zu spät anfangen: Je später zusätzliche Vorsorge beginnt, desto höher müssen die monatlichen Sparraten sein, um dieselbe Rentenlücke zu schließen.
2. Mit Bruttobeträgen rechnen: Entscheidend ist, wie viel Geld nach Steuern, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen übrigbleibt.
3. Inflation ignorieren: Die Kaufkraft des Geldes sinkt. Dadurch kann die Rentenlücke in der Praxis deutlich größer ausfallen als geplant.
4. Geld nicht anlegen: Auf dem Girokonto bringt das Geld keine Rendite ein und verliert durch die Inflation langfristig an Kaufkraft.
5. Nicht diversifizieren: Wer nur auf eine Anlageform setzt, geht unnötige Risiken ein. Eine breite Streuung kann helfen, das Klumpenrisiko zu minimieren.
6. Care-Arbeit nicht finanziell ausgleichen: Wer wegen Kindern oder Pflege seine Arbeitszeit reduziert, erwirbt oft geringere Rentenansprüche. Die langfristigen finanziellen Folgen sollten daher frühzeitig in die gemeinsame Finanz- und Vorsorgeplanung einbezogen werden.
7. Teure Produkte abschließen: Nicht jedes Vorsorgeprodukt passt zu jeder Person. Kosten, Flexibilität, Garantien und Renditechancen sollten unabhängig geprüft werden.
Und beachte zuletzt: Niemand kann heute exakt vorhersagen, wie hoch die persönliche Rentenlücke in 20 oder 30 Jahren sein wird. Einkommen, Inflation, Rentensystem und Lebenssituation können sich verändern. Deshalb lohnt es sich, die eigene Planung regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.
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