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Mieterstrom braucht Partner

Autor: Thomas Jebsen
Erschienen: 16.11.2017
Medium: Immobilien Zeitung

Mehr Strom aus Solarenergie ist politisch wünschenswert und für Wohnungsunternehmen auch umsetzbar, sagt Thomas Jebsen, Vorstand bei der Deutschen Kreditbank. Sie müssen sich nur mit Experten zusammentun.

Seit dem 25. Juli 2017 ist das neue Mieterstromgesetz in Kraft, wobei die erwartete beihilferechtliche Genehmigung durch die EU noch aussteht. Bestandshalter dürfen seither ihre Mieter mit gefördertem Strom versorgen. Das Ziel: Mehr Fotovoltaikanlagen auf deutschen Dächern. Und jetzt? Viele Wohnungsunternehmen planen erst einmal gar nichts - leider. Denn es sind die Wohnungsunternehmen, die über die innerstädtischen Flächen verfügen, und von ihnen hängt es ab, ob sie diese zur Verfügung stellen oder nicht.

"Zu bürokratisch", "zu kompliziert", klagen viele. Der größte Hemmschuh dürfte zudem sein, dass Mieterstrom im Ruf steht, es gebe damit nicht viel zu verdienen. Doch es bestehen durchaus Chancen, zum Beispiel für die Nutzer mindestens ein Zehntel niedrigere Energiekosten gegenüber dem Grundversorger. Häufig wird deutlich mehr zu erwarten sein. Das dürfte sowohl für Gewerbe- als auch für Privatmieter mehr als nur ein kleiner Bonus sein.

Das Wohnungsunternehmen hätte auch etwas davon: Es würde glaubhaft als Treiber der Energiewende wahrgenommen. Nicht zuletzt ließe sich mit dem Teil des erzeugten Stroms, der nicht direkt von den Mietern verbraucht wird, über Netzeinspeisung eine Zusatzrendite erzielen.

Zugegeben, beim Thema Abrechnung wird es kompliziert. Aber dabei lassen sich Partner einbinden, die über Erfahrung in der Energiewirtschaft verfügen. Contractingmodelle sind etabliert und für genossenschaftliche und kommunalnahe Wohnungsunternehmen drängt sich eine Partnerschaft mit den Stadtwerken als regionale Energieversorger geradezu auf. Auf diese Weise lässt sich zudem ein anderes vielfach genanntes Problem lösen: der vermeintlich drohende Verlust des Gewerbesteuerprivilegs. Bindet der Bestandshalter einen Partner ein, besteht diese Gefahr nicht, da er dann nicht selbst als Energielieferant auftritt.
Die Wohnungswirtschaft hat in den vergangenen Jahren bereits einen großen Beitrag zur Energiewende geleistet. Gemeinsam mit den Banken wurden viele Milliarden Euro als Modernisierungskredite in die nachhaltige Ausrichtung der Bestände investiert. Aktuell ist noch nicht klar, ob sich das Mieterstrommodell in diese Erfolgsgeschichte einfügen wird. Zu wünschen wäre es jedenfalls. Die Kreditinstitute jedenfalls würden bereitstehen, um entsprechende Projekte zu ermöglichen. Wohnungsunternehmen, denen der Aufwand zu groß scheint, sei angeraten, sich mit regionalen Energiedienstleistern zusammenzutun.

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