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Wie Krankenhäuser Energieeffizienzmaßnahmen erfolgreich finanzieren

Autor: Markus Höhne
Erschienen: Klinergie
Datum: 01.09.2014

Seit Jahren stehen Krankenhäuser vor komplexen Herausforderungen um im hart umkämpften deutschen Gesundheitsmarkt zu bestehen. Die eigene Einnahmenseite muss daher intensiver gestärkt werden. Dies führte allerdings auch zu einer deutlicheren Fokussierung auf die Kostenseite. Die aktuelle Krankenhausstatistik führt die weiterhin steigenden Sachkosten auf. Die Kosten für Wasser, Energie und Brennstoffe haben daran einen Anteil von 6,5 Prozent. Damit wachsen sie seit 2001 im Schnitt mit über 6,2 Prozent p. a. deutlich schneller als die Gesamtkosten. Mehrverbrauch und insbesondere Preissteigerungen der Energieträger treiben Kosten für Strom, Wärme und Kälte in die Höhe. Es bedarf Einsparmaßnahmen im täglichen Verbrauch und meist auch zusätzlicher Investitionen, um Gebäudebestand und Haustechnik zu modernisieren und ihre Energieeffizienz zu erhöhen. Doch wie lassen sich diese Investitionen – bei gleichzeitig sinkenden Fördermitteln durch das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) – finanzieren?

Finanzierungsmöglichkeiten

Für die Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen stehen dem Krankenhaus verschiedene Möglichkeiten offen. Kleinere Investitionen werden meist aus dem freien Cash-Flow des Geschäftsbetriebs getätigt. Werden Investitionsvorhaben größer und binden Kapital für längere Zeit, stehen Banken mit klassischen Kreditfinanzierungen zur Seite. Sollten dem Krankenhaus keine freien Investitionsmittel zur Verfügung stehen, kann ein Energiespar-Contracting die Modernisierung und Finanzierung sicherstellen. Hierbei garantiert der Contractingpartner Einsparungen von Energiekosten bei Umsetzung der geplanten Investition. Daraus refinanzieren sich die Investitionskosten während der Vertragslaufzeit. Auf Grund der Komplexität dieser Modelle empfiehlt es sich unbedingt, mit erfahrenen Contractingpartnern zusammen zu arbeiten. In den letzten beiden Jahren erfreuen sich zudem klassische Leasing- oder Mietkaufmodelle einer steigenden Beliebtheit.

Förderkredite und Zuschüsse

Bei den hier dargestellten Investitionsvorhaben können oftmals Fördermittel in die Finanzierungsstruktur einbezogen werden. EU, Bund und Länder stellen über Ministerien und Förderbanken verschiedene Programme für Energieeffizienzmaßnahmen zur Verfügung. In Abhängigkeit des Investitionsprojekts können Anspruchsberechtigte zinsgünstige Darlehen aufnehmen oder nichtrückzahlbare Zuschüsse beantragen. Beispielsweise genehmigt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Investitionszuschüsse für die Modernisierung von Klima-/ Kälteanlagen.

Kreditentscheidung der Bank

Für die Kreditentscheidung einer Bank ist ein umfassender Einblick in die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses zwingend erforderlich. Dabei gilt es festzustellen, ob das Krankenhaus nachhaltig kapitaldienstfähig ist, also Zins und Tilgung über die Kreditvertragslaufzeit leisten kann. Dazu fließen rückblickend Daten aus den Jahresabschlüssen der letzten beiden Geschäftsjahre und aktuelle Zwischenzahlen in harte betriebswirtschaftliche Kennzahlen ein. Es ist daher unabdingbar, der Bank die Unternehmensstrategie zu erläutern und diese mit einem Wirtschaftsplan für die kommenden Jahre zu unterlegen. Ebenfalls spielen krankenhausspezifische Faktoren wie die Entwicklung der Fallzahlen, die Höhe des Case Mix Index (CMI) oder eine angemessene Verweildauer eine wesentliche Rolle für eine positive Kreditentscheidung.

Energetische Sanierung von neun Standorten – Klinikum Region Hannover (KRH)

Das KRH hat sein Klinikum Neustadt am Rübenberge als „Pilothaus“ im Rahmen eines Energieeinspar-Contracting-Modells energetisch saniert - 2012/13 folgten weitere acht Standorte. Auch hier hat man sich für ein Energieeinspar-Contracting entschieden. Das KRH trägt die notwendigen Investitionen in die Modernisierung und Optimierung der Wärmeerzeugung, der Lüftungs- und Kälteanlagen sowie der Beleuchtung; insgesamt belaufen sich diese auf rund 24 Mio. EUR. Der Contracting-Partner garantiert die Kosteneinsparungen von 3,6 Mio. EUR pro Jahr über eine Vertragslaufzeit von 10 Jahren. Basierend auf diesen Eckpunkten wurde eine Bankfinanzierung mit gleicher Laufzeit bereitgestellt.

Errichtung eines Blockheizkraftwerks – Sankt Rochus Kliniken Bad Schönborn

Im Rahmen eines Energiespar-Contractings wurde im Jahr 2011 die Cofely Deutschland GmbH (Contractor) von den Sankt Rochus Kliniken mit der Errichtung eines Blockheizkraftwerks beauftragt. Auf eigene Kosten errichtet der Contractor alle notwendigen Anlagen und hält diese über die Vertragslaufzeit von 10 Jahren instand. Der Contractor bekommt vom Auftraggeber für seine Dienstleistungen eine Grundvergütung als Anteil der von ihm garantierten Energieeinsparungen. Zur Refinanzierung der angefallenen Investitionskosten verkauft der Contractor nunmehr einen festen Anteil seiner Forderung aus der Grundvergütung an die Bank.

Veranstaltungshinweis

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